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Der Chef

Der Chef

Frankfurt am Main. Zwischen Alter Oper und Hilton Hotel an der Bockenheimer Anlage liegt ein Weiher. Er ist ein Rest des ehemaligen bewässerten Stadtgrabens von Frankfurt. Heute heißt er „Albert-Mangelsdorff-Weiher“, zu Ehren des aus Frankfurt stammenden Jazzmusikers. Jeden Tag treffen sich hier Reiher zur Jagd. Sie haben Hunger und eine Vorliebe. Es sind Fische, quicklebendig, nicht zu groß, zart in ihrer Statur und lecker im Geschmack. In diesem Weiher leben viele davon.

Die Reiher, die Fische nennen sie abschätzig Geier, stehen auf Lauer. Sie leben im Schlaraffenland, warten nur darauf, dass ein unvorsichtiges Fischlein vor ihrem Schnabel vorbei schwimmt. Dann schlagen sie zu: gnadenlos und treffsicher. Die Opfer werden nur einen Moment lang begutachtet und dann einfach so verschluckt. Was denkt solch ein armes Fischlein, wenn es im Schnabel des Riesenvogels zappelt? Was denkt es, wenn es durch den langen dunklen Tunnel hinab in den Magen seines Mörders rutscht? Schwimmt es dann noch eine Weile im Magen herum? Stößt es sich an den Magenwänden die Nase, schließlich ist es da drinnen stockdunkel? Und wie wird dann aus diesem Fischlein verdaubares Fischragout? Fragen über Fragen, die sich der zufällig vorbeifahrende Radler unwillkürlich stellt. Wo kommen eigentlich die vielen Fischlein her? Irgendwann müssten die doch alle sein!

Natürlich leben in dem Weiher genügend Fische. Die Reiher erwischen nur die dummen, unvorsichtigen, schlappen und langsamen Exemplare. Gerne schnappen sie sich diejenigen, die sich gerade ihren eigenen Magen vollgeschlagen haben. Die sind dann nämlich nicht so schnell. Dass kennen wir selbst. Papa sagte damals, als wir am Badesee waren, immer zu mir:

„Junge, geh nicht gleich nach dem Essen ins Wasser! Das ist ungesund.“

Diese Lebensweisheit sollten die Fische auch berücksichtigen. Sonst wird aus den Fischlein nie ein Fisch, höchstens ein starker Reiher. Das ist in der Zukunftsplanung der Fische normalerweise nicht vorgesehen.

Atacke:

Immer feste drauf: