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Von Erdbeeren, Blähungen, einer Zicke, einem arktischen Rennpferd, einem UFO, zwei Trabbis, einer vorlauten Tochter und der japanischen Sprache.

Im Kalender steht heute der Wettlauf japanischer Rennschnecken. Der Parcours führt schnurgerade zwischen dem Schnittlauch und den Erdbeeren hindurch.

Isolde gibt schon kurz nach dem Start wegen Blähungen auf. Sie hatte heimlich am Schnittlauch geknabbert. Wie ein Häufchen Elend liegt sie auf dem Rücken und jammert.

Angelika biegt nach links unter ein Erdbeerblatt ab. Dort wartet der fesche Fred. Er beglückt Angelika mit seinen Chromosomen. Fräulein El Niño übernimmt die Führung. Sie wird von ihrer elfengleichen Freundin pausenlos angefeuert.

Oh je! Ernestine zieht vorbei. Drei Zentimeter weiter stolpert sie über ein übrig gebliebenes Körnchen Schneckengift. Sie hat die Gefahr nicht gesehen, da sie nur vom Sieg träumte.

Für einen Moment liegt Fräulein El Niño wieder vorn. Aber Anastasia, diese doofe Kuh, diese olle Angeberin, diese gemeine Nacktschnecke, diese elende Betrügerin, diese Zicke, diese … hat sich in der Nacht heimlich an der Pfütze herumgetrieben. Nun drückt ihre Blase und sie muss ganz dringend. Das nächste Schneckenklo ist hinter dem Ziel. Das treibt sie an. Gnadenlos, wie ein arktisches Rennpferd, überholt sie Fräulein El Niño.

Derweil sitzt Ottilie Sommerberg in ihrem Arbeitszimmer und druckt die Fahrkarten für die Urlaubsreise aus. Gerade als sie die Rückfahrkarte aus dem Drucker nimmt, bringt ihr Göttergatte eine Tasse Tee herein. Der Luftzug durch die offene Tür wedelt das Papier aus dem Fenster, auf die Rennstrecke, genau vor Anastasia. Die schneidet sich an der scharfen Papierkante die Nase auf. Vor Schreck und Schmerz lässt sie dem Pfützenwasser freien Lauf. Der Antrieb ist futsch, sie scheidet aus.

Nun hat Fräulein El Niño freie Bahn. Sie schaltet hoch in den 7. Schneckengang, gibt Gas, wie eine Rennfahrerin und setzt sich wieder an die Spitze dieses hochkarätigen Feldes.

„Was ist das?“. Es stinkt schlimmer als die Blähungen von Isolde, es knattert wie eine startende Sojusrakete, es gibt einen furchtbar lauten Knall. Dann landet ein riesiges UFO mitten auf der Rennstrecke. Fräulein El Niño weiß natürlich sofort, was passiert ist. Auf der Dorfstraße neben dem Garten ist ein quadratmetergroßes Schlagloch. Zwei himmelblaue, getunte, 1050 PS starke Trabbis liefern sich ein Rennen. Einer der Beiden verliert eine Radkappe. Diese macht nun einen großen Umweg erforderlich. Für Fräulein El Niño, eine kampferprobte japanische Rennschnecke, ihr Vater wurde immerhin Ding Dong, die Kampfschnecke von Kyoto-Süd genannt, ist das kein Problem.

Mit mehreren riesigen Millimetern Vorsprung kommt Fräulein El Niño als erste ins Ziel. Der Gewinn ist ein Salatblatt, das sie mit ihrer Freundin teilt. Was sich unter dem Salatblatt abspielt, bleibt der Öffentlichkeit verborgen. Man munkelt, dass es zu Zärtlichkeiten kommt. Nur Clarissa, die etwas vorlaute Tochter der Gartenameisengroßfamilie ist Zeugin und berichtet mit einem Strahlen in den Augen. Aber wer versteht schon ameisisch? Das ist dreimal so schlimm, wie Japanisch.

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Das ist eine Geschichte zur Aktion von Westendstorie. Mit diesen zehn Wörtern sollte eine Geschichte geschrieben werden:

Kalender, Rückfahrkarte, Schnittlauch, Chromosomen, Schneckengift, Radkappe, Gefahr, Zärtlichkeit, Elend, Gewinn