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Im ersten Teil der Geschichte hat Alice gekämpft, wie eine Wahnsinnige. Dann hat sich der Bundestag heroisch eingeschaltet. In den Aufsichtsräten den deutschen DAX-Unternehmen werden nun Leibchen begutachtet. Warten wir ab, was es bringt. Lange halten das entweder die Ladys oder die alten Herren nicht aus. Allerdings spricht viel dafür, dass die Damen die Oberhand gewinnen. Schließlich sind die Häppchen so lecker. Bald gibt es nur noch vegane Verköstigung. Dann gehen diese Herren freiwillig in Rente nach Malle.

Heute geht es um kleinere Brötchen. Heute sind wir zu Gast in einer Familie und schauen, wie es da mit der Gleichberechtigung voran geht. Heute hat Alice nur ihren Namen für den Titel beigesteuert. Der Kämpfer ist ein Held, ein richtiger Held. Ich nenne keinen Namen und verrate nur so viel, dass ich selbst eine große kämpferische Rolle spiele.

* * *

Der moderne Mann von heute braucht keine Emanzipation der Frau, keine Quote. Er ist, getreu dem Motto „Selbst ist der Mann“, nach genauer Bedienungsanleitung durch eine Frau und unter Androhung häuslicher Gewalt in Form von Tränen, zu neuen Erkenntnissen bereit. Er hat gelernt, dass man Geschirrspüler ausräumen kann. Und das nicht nur dann, wenn im Küchenschrank keine einzige Tasse mehr steht. Nach mehrjährigem Üben begreift er gar, das Geschirr erst dann aus dem Geschirrspüler auszuräumen, wenn es sauber ist.

Völlig analog verhält es sich mit der Verwendung solch hoch komplizierter Gerätschaften wie Besen und Staubsauger, Mülleimer und ähnlichen Haushaltsgeräten. Herd, Bügeleisen, Backröhre und Nähmaschine sind tabu für den Mann. Das ist wirklich zu kompliziert, ist regelrecht lebensgefährlich für ihn. Beim Fensterputzen sollte die kluge Hausfrau darauf achten, dass der Mann seine Erfahrungen im Keller sammelt. Hochgefallen ist beim Fensterputzen bisher niemand. Obwohl – so ein armes Kerlchen ist bei dieser Nervenanspannung zu allem fähig.

Forscher am Institut für Männerforschung der Universität in Posemuckel-Süd haben herausgefunden, dass Männer, genetisch bedingt, überhaupt nicht für die Hausarbeit geeignet sind. Schaut man sich die Chromosomen von Mann und Frau an, dann findet man einen gravierenden Unterschied. Der heißt Y-Chromosom. Dieses, bisher völlig unterschätzte Teilchen, sorgt für die männliche Unverträglichkeit von Hausarbeit.

Solch einer wissenschaftlichen Studie darf man natürlich nicht einfach glauben. Vielleicht steckt da ein Fehler drin. Also stelle ich mich in den Dienst der Wissenschaft. Ich möchte ganz genau wissen, wie sich Mann und Hausarbeit miteinander vertragen. Ich führe also ein ganz einfaches, nachvollziehbares, wissenschaftliches Experiment durch. Ich werde mein Bett frisch beziehen. Das wird mein ganz persönliches Geschenk werden. Mich abends ins frisch bezogene Bett zu kuscheln, ist mein Plan – so einfach, wie genial.

Damit alle Frauen, auch Alice und Ulli, meinen Versuchsaufbau nachvollziehen können, beschreibe ich die Versuchsdurchführung ganz genau. Für einen Ingenieur, wie mich, ist das selbstverständlich!

Als Erstes hole ich die frische Bettwäsche aus dem Schrank und lege sie bereit. Das ist nicht einfach, denn Geschirrtücher, Taschentücher, Tischdecken und Laken sehen sich wirklich zum Verwechseln ähnlich! Ganz wichtig ist hierbei, darauf zu achten, dass Spannbettbezug, Kopfkissen- und Bettbezug ein identisches Design besitzen. Schließlich haben wir einen hohen ästhetischen Anspruch!

Im nächsten Arbeitsschritt ziehe ich die alte Bettwäsche ab. Das ist einfach und Minutensache. Als ordentlicher Mann falte ich alle Teile exakt auf Kante zusammen und lege sie beiseite. Den Kampf mit dem Spannbettbezug möchte ich nicht in seinen Details beschreiben. Nach etlichen Flüchen kann ich mich schon nach zehn Minuten wieder daraus befreien. Wie der Bezug dann wohlgefaltet auf den Stapel kommt, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich handele wie im Tran, so als wenn ich die Weltjahresproduktion an Rauschgift mit einem Zug inhaliert hätte.

An dieser Stelle muss ich betonen, dass ich dieses wissenschaftliche Experiment ohne fremde Hilfe, insbesondere ohne weibliche Hilfe und ohne einen Spickzettel durchführe.

Die Motivation durch die heroische Aufgabe beflügelt mich dermaßen, dass sich der gesamte Rauschzustand in Energie wandelt. Ich beginne unverzüglich mit dem Neubeziehen der Matratze. Spannbettbezüge sind die Hölle! Bis die faltenfrei sitzen, vergeht locker ein Viertelstündchen nach dem anderen. Als ich begreife, dass es unterschiedlich lange Kanten sowohl am Spannbettbezug als auch an der Matratze gibt, habe ich drei Nervenzusammenbrüche knapp überlebt. Der Vierte hätte meinem Treiben ein Ende gesetzt. Aber Mann gibt nicht auf, kämpft, wie ein Mann! Am Ende kann ich erleichtert tief durchatmen.

Als Nächstes kommt das Kopfkissen an die Reihe. Das ist echter Kinderkram. Trotzdem benötige ich fast zwei Versuche. Beinahe hätte ich den Bezug falsch herum aufs Kissen gezogen. Ein Mann merkt diesen Schnitzer sofort und korrigiert sein Handeln. Kaum zehn Minuten vergehen.

Schwieriger ist das Beziehen meiner kuscheligen Bettdecke. Wo ist denn nun der Eingang vom Bezug? Nirgends ist ein Hinweis zu finden! Nachdem ich wieder heraus gekrochen bin, fixiere ich die Ecken erst einmal mit ordentlichen Nägeln auf dem Fußboden. Dann krieche ich zusammen mit der Bettdecke hinein und stopfe den Zipfel, den linken Eckzipfel der Bettdecke meine ich, in die linke Ecke. Genauso verfahre ich mit dem rechten Zipfel. Auch hierbei muss man die Breitenverhältnisse aller Teile bedenken! Das erfordert mindestens ein abgebrochenes Hochschulstudium! Fast wäre ich in dieser Höhle erstickt. Der Schweiß rinnt in Strömen. Eigentlich bräuchte ich einen frischen Bettbezug. Schließlich muss ich noch einmal in den Keller flitzen, die Kneifzange zum Herausziehen der Nägel holen. Doch dann ist das Gesamtwerk endlich vollbracht. Alle Teile werden noch ordentlich auf dem Bett drapiert, alles wird glatt gezogen. Mein Kuscheltier Adalbert bekommt seinen Ehrenplatz ganz oben auf dem Kopfkissen.

Schließlich lege ich eine Gedenkminute für die gerade vollbrachte Heldentat ein. Die Ergebnisse dieser Studie, ich bezeichne sie spontan und nicht ohne Stolz als ‚wissenschaftliche Fehlleistung‘, sind widerlegt.
„Bitte erheben Sie sich von Ihren Plätzen! Hehe – Da wird nicht gekichert! Jetzt wird dem historischen Moment gerecht werdend, mal eine Minute lang sauernst geschaut!“

Soweit, so gut – oder? Der kleine Ingenieur in mir wird plötzlich unruhig. Irgendetwas scheint nicht zu stimmen. Er haucht mir ins Ohr:
„Prüfe deinen Versuchsaufbau bitte noch einmal!“. Also schaue ich mir alles, nicht ohne einen Hauch inneren Stolzes zu empfinden, noch einmal an.

„Scheiße!“, sprudelt es als Kommentar spontan aus meinem Mund. An dieser Stelle weiß ich, weshalb die genannte Studie, welche nachgewiesen hat, dass das mit der Hausarbeit nicht so ganz für den Mann taugt, völlig richtig ist.

Was war passiert? Ich hatte die ordentlich zusammengelegte, gerade zuvor erst abgezogene Bettwäsche, wieder aufgezogen. Die frische Bettwäsche liegt artig dort, wo ich sie Stunden zuvor platziert hatte. Man könnte das Ganze mit einem Anflug von Ironie als „Meisterstück“ bezeichnen.

Nein, der Mann als Solcher ist nicht ein bisschen dusselig, nicht ein bisschen – manchmal eher ziemlich viel. Also geht das ganze Spiel von vorne los! Diesmal wende ich, Männer sind nicht nur lernfähig, sondern außerordentlich clever, eine neue Strategie an. Die abgezogene Bettwäsche feuere ich einfach so und vor allem wutentbrannt, quer durch das Zimmer in die am weitesten entfernte Ecke – ohne Rücksicht auf Verluste, Zimmerblumen und Dreckflusen. Nach mühevoll vollendetem Werk quetsche ich sie zum Schluss in den Wäschekorb und falle fix und fertig auf mein frisch bezogenes Bett. Wenigstens Adalbert tröstet mich!

N.B.: Das mit den Nägeln entsprang meiner schriftstellerischen Fantasie, die beim Schreiben dieses Textes mit mir durchgegangen ist. Ganz so blöde bin ich wirklich nicht. Das mit dem Draufziehen der gerade abgezogenen Bettwäsche reicht doch aus!

N.B.: Ich überlege die ganze Zeit, ob Alice und Ulli ihre Betten selbst beziehen. Bei Alice bin ich mir nicht sicher.