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Venedig am Abend

Venedig am Abend

Neulich bin ich mit einem Reisebus gefahren. Das war ein richtig modernes Teil: Schnittig, wie ein Hürlimann, kaum Roststellen auf der Frontscheibe und die Reifen erinnerten sich sogar noch an ihr Profil. Ich schätze, das Gerät war ungefähr Baujahr 1995. Es hatte sogar schon eine Klimaanlage.

Saubermacher - Kein Italiener

Saubermacher – Kein Italiener

Normalerweise sind mir Klimaanlagen in Reisebussen wurscht. Ich fahre nicht mit Reisebussen. Aber im Urlaub, im sonnigen Italien, war es durchaus angebracht, einen Reisebus mit Klimaanlage zu wählen. Das hatte mehrere Vorteile. Zum einem vermeidet man Entzugserscheinungen. Schließlich verbringt man seinen Arbeitstag gewöhnlich auch klimaanlagentemperiert. Zum anderen erspart man sich das wetterbedingte Hinschmelzen auf der Urlaubsfahrt. Außerdem sind spätestens nach zehn Minuten Busfahrt sämtliche Gefühle so weit eingefroren, dass selbst die heißeste Italienerin unbeachtet und enttäuscht von dannen zieht. Das ist gut für die heimatliche Scheidungsstatistik. Außerdem: Wozu den heißen Sahneschnittchen aus dem Land, wo diese sauren Dinger reifen, hinterher sehen, wenn ein kuscheliger Eiszapfen auf dem Nachbarsitz klappert.

Klimaanlagen sind eine der unnützesten Erfindungen der Menschheit. Sie kommen gleich nach Finanzamt, Stau auf der Autobahn und Schlankheitskur. Damit hat man immer nur Probleme.

Temperaturmesser

Temperaturmesser

Die Klimaanlage in unserem Bus kannte zwei Betriebszustände. Entweder sie war aus, dann schwammen alle Insassen in ihrer eigenen Brühe. Die italienische Sonne knallte unbarmherzig von oben herab. Dieser feuchte Zustand ist aber nie eingetreten. Dafür hat der Busfahrer gesorgt. Er hat immer Betriebszustand Nummer zwei gewählt. Dieser ist erfunden worden, um Gefrierfleisch verlustlos durch die Sahara zu transportieren. Dazu sind über allen Sitzen Ausströmdüsen für gekühlte Luft montiert. Die kann man schließen. Dieses geniale Prinzip kennt man aus dem Flugzeug. Damit das Gefrierfleisch nicht taut, gab es zusätzlich Düsen über dem Mittelgang und direkt über den Fenstern. Die sind immer geöffnet, sperrangelweit geöffnet. Gut beraten ist man, trotz fünfunddreißig Grad, blauem Himmel und Sonnenschein, eine dicke wollene Strickjacke mitzuführen. Wenn die eisigen Proteste zu laut wurden, wenn massive Erfrierungen drohten, wenn statt Touristen eine Horde gefrorener Ötzis durch die italienische Landschaft kutschiert wurde, hat der Fahrer die Anlage kurzzeitig in den ersten Betriebszustand versetzt. Dadurch und weil keine Fahrt länger als etwa drei Stunden gedauert hat, wurde der Urlaub von allen überlebt. Das heißt, die Kerntemperatur unserer Körper lag gerade noch im positiven Bereich. Jeden Moment drohte die Atemluft an den Fensterscheiben zu gefrieren. Ich habe wunderte mich, dass sich in Bärten und Augenbrauen keine Eiskristalle gebildet haben.

Überlebt zu haben, heißt nicht, gesund zu sein. Schniefen war angesagt, laufende Nasen waren Allgemeinzustand. Sie liefen so schnell, da kam man kaum hinterher. Der italienischen Papiertaschentücherindustrie geht es entgegen dem allgemein miesen italienischen Wirtschaftstrend blendend. Wir haben Italien gerettet! Dass Apotheken hier mit einem grünen Kreuz um Kunden buhlen, wissen wir nun auch.

Etwas ganz Wichtiges darf man in diesem Zusammenhang nicht vergessen. Deutsche Touristen sind echt hart im Nehmen. Die nehmen alles mit. Sogar eine erstklassige italienische Erkältung!

N.B.: Auch italienische Busse werden unter die Dusche gestellt, nicht nur Busse aus D. Das Thermometer stammt von einem Eismobil. Das Eis war wirklich lecker!