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Ein Literaturfestival ist eine wunderbare Erfindung. Viele Autoren können sich und ihre Texte präsentieren, die Hörer haben die Wahl, welche Autoren, Texte, Genres sie bevorzugen. Man trifft viele Menschen, Bekannte – man herzt sich – und Unbekannte, noch Unbekannte.

Es ist mit viel Arbeit verbunden. Für die Organisatoren sowieso. Vielen Dank, liebe Elke Dippel. Du bist die Größte! Vielen Dank deinem Team und den Gastgebern in den 10 Veranstaltungsorten in Frankfurt-Fechenheim. Auch die Autoren hatten zu tun. Es beginnt bei der Textauswahl, der Suche der passenden Ausschnitte, dem Vorbereiten der eigenen Vorstellung und der Übergänge. Das Lesen muss geprobt werden. Passen die gewählten Auszüge in das vorgesehene Zeitfenster?

Der Adrenalinspiegel – die Aufregung – wächst kontinuierlich. Wer kommt zu meiner Lesung: Nur Bekannte oder auch neue Leute? Wird der Raum voll? Hält die Stimme? Wo ist das Klo? Hilfe, meine Lutschbonbons sind weg! Habe ich die richtigen Textstellen gewählt? Ein Glas Wasser wäre nicht schlecht. Mögen die Zuhörer meine Texte? Kaufen sie gar das eine oder andere Exemplar meiner Bücher? Die Liste der Fragen ist schier endlos. Hoffentlich habe ich alles bedacht!

Ich freue mich auf die Musik. Die schafft nicht nur Abwechslung. Sie lockert das Ganze auf. Es macht Spaß und passt gut zum Charakter des Festivals.

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Es war ein Erfolg! Wer hat gezweifelt? Niemand. Es tut jedem Herz gut, wenn es mal auf Hochtouren klickert. Man darf doch vorher mal ein klein wenig, ganz mächtig aufgeregt sein!

So viele Zuhörer hatte ich: Liebe Kollegen, Bekannte und Freunde, Unbekannte. Der Regieplan für meine Lesung war perfekt. Der Applaus macht stolz. Ich habe bestimmt gestrahlt, wie ein Blecheimer! Danke, ihr seid ein tolles Publikum gewesen! Die Musik von Harald Andres war super, ein schöner Kontrast, eine interessante Abwechslung zum gesprochenen Wort, den Namen merke ich mir. Und der Kerl ist sehr sympathisch, hat gut ins Programm gepasst.

Lesung beim Optiker? Warum nicht: Das war eine tolle Kulisse, es waren freundliche Gastgeber. Sie hatten für die Veranstaltung alles perfekt gerichtet. Ich saß mit zwei fetten Kissen im Rücken in einem bequemen Sessel. Dank der Kissen kam mein Bauch gut zur Geltung. Die Fotos auf Facebook – Oh Jeminee! Wir hatten viele Zuhörer. Bei einem Festival ist es ein Kommen und Gehen. Die Texte der ersten drei Autoren konnten unterschiedlicher kaum sein: Meddi Müller las aus seinen historischen Frankfurt-Krimis, ich hatte Frankfurter Liebesgeschichten im Angebot und Viktor R. Georges brachte Lyrik, Erzählungen und OULIPOesie zum Vortrag. Zwischendurch sang Harald Andres.

Vielen Dank „Optik Maschler“ in Fechenheim. Vielleicht sehen und hören wir uns 2016 wieder – bestimmt!

10 Veranstaltungsorte, 45 Autoren, 10 Musiker oder Gruppen. Wer soll das an einem Nachmittag schaffen? Niemand, das ist auch nicht der Anspruch dieses Festivals. Jeder sucht sich seine ganz individuellen Highlights heraus. Und wenn der Plan nicht funktioniert, wenn man einfach irgendwo kleben bleibt? Macht nichts, umso schöner ist es. Lange habe ich beim Optiker gesessen, den Texten und der Musik gelauscht. Mit Vielen habe ich sprechen können, mit Bekannten und Freunden, mit zufällig anwesenden Gästen. Allerdings „Zufall“ war das nicht. Sie sind absichtlich gekommen, wegen der wundervollen Veranstaltung, der Literatur, Autoren, der Musik, der Musiker und der Gäste. Die Zeit flog nur so dahin!

Mein eigener Plan für das Festival war schnell Makulatur. Ich habe fix mal umdisponiert, mehrmals. Zweite Station war das „Eiscafé Venezia“. Louis Jansen las mit schauspielerischem Können Skurriles, Humorvolles, Düsteres, Philosophisches. Ein Glas Pfefferminztee bekämpfte die Kühle des Nachmittags erfolgreich von innen, genau wie die Musiker von „Rotten before Christmas“ von außen. Dann ging es weiter zur „Metzgerei Meisinger“. Nein, es war nicht der Hunger, der uns dort einkehren lies. Es war meine Autoren-Kollegin Nina Schmidt. Auch wenn ich einige ihrer Geschichten bereits von früheren Lesungen kenne, ist es ein Vergnügen ihre Texte zu hören. Mein Lieblingsfan, der mich begleitete, sollte sie auch kennenlernen. Nina beobachtet das Leben, sieht die alltäglichen Dinge, Probleme und Konflikte und schreibt sie gekonnt auf.

Eines wollte, konnte ich mir nicht entgehen lassen: Die Lesung von Victoria Vanseelen. Victoria ist eine von den ganz Großen, auch wenn man den Blick etwas nach unten richten muss. Wenn Victoria liest, liest ein Profi, ist der Hörer mittendrin in der Geschichte, entstehen wundervolle Bilder. Ihre Lesung war ein Event für Ohren, Augen und Kopf. „Es hat ein Kuss mir Leben eingehaucht“. Untertitel: „Eine Annäherung an das Schicksal und Werk der Dichterin Karoline von Günderrode“. Victoria hat mit der Textauswahl, ihrer Vortragsweise, ihrer Persönlichkeit diesem fantastischen Tag das I-Tüpfelchen draufgesetzt, ein fettes, liebliches Pünktchen.

Die Musiker von „Best before after“ kamen ohne Strom aus. Den brauchten sie nicht, sie standen unter Strom. Stecker in den … und man könnte fünf AKW abschalten. Sie haben gerockt, dass die Wände wackelten, so viel Energie, Ausstrahlung und Begeisterung – unglaublich. Da musste ich sitzen bleiben und zuhören. Mein gestresster Körper war dankbar, meine Seele fuhr freudig Achterbahn auf den Melodien und dem Gesang der Musiker.

Ein Schlückchen am Abend

Ein Schlückchen am Abend

Irgendwann kam ich zu Haus an. Ich war fix und fertig – Nein, ich war so bewegt von diesem Tag, dass ich erst noch ein Gläschen Wein zum Ausklang des Tages brauchte. Ich hatte noch eine Flasche „Hans Lang – Hallgarten Riesling“ stehen. Mit meinem Lieblingsfan habe ich noch ein (zweieinhalb) Gläschen geleert. Wir haben lange geplaudert. Worüber? Über diesen Tag.

Genau in diesem Moment, beim Einatmen des Bouquets dieses Weins, fällt mir ein, dass meine nächste Lesung, vielleicht ist es auch die übernächste, in diesem Weingut „Hans Lang“ in Eltville-Hattenheim stattfinden wird. Fünf Autoren vom „ARS Autoren RheinMain Stammtisch“ lesen Geschichten von und zum Wein. Dazu gibt es Wein, einen Imbiss mit leckerem Appenzeller Käse und viel Spaß. Die Veranstaltung findet am 22. November unter dem Titel „In vino poetas“ statt. HIER gibt es die Informationen dazu.

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Nun ist es Geschichte, das 4. Fechenheimer Literaturfestival. Der Termin der 5. Auflage ist längst im Kalender vermerkt. Bis dahin bleibt viel zu tun. Ich muss mich um meine Texte für die Weihnachtsanthologie kümmern. Die müssen in drei Wochen stehen. Der Weihnachtsmann duldet keine Verspätung! Dann gibt es weitere Pläne. Pst! Ich verrate noch nichts. Wer meinen Blog verfolgt, ist immer aktuell informiert. Ach ja! Die Ostsee wartet demnächst auf mich – URLAUB!