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Hin und wieder fahre auch ich mit der Straßenbahn. Viel lieber nehme ich die U-Bahn, aber manchmal lässt es sich nicht vermeiden, die Tram zu nehmen.

Neuerdings nennt man die Tram. Das ist wie Han, wenn man sein Telefon meint. Zum Glück ist die maximale Anzahl von 3- und 4-buchstabigen Wörtern begrenzt.

Letzte Woche war es wieder soweit. Wenn ich eines nicht leiden kann, dann ist es Unpünktlichkeit. Fünf oder zehn Minuten vor der Zeit, ist okay. Auf die Minute genau erscheinen, ist grenzwertig. Doch mehr als eine Sekunde Zuspätkommen, gibt Abzug. Das gilt für andere, wie für mich. Also peilte ich im Internet, wann die Bahn fährt. Pünktlich war ich an der Haltestelle, hätte die Straßenbahn davor auch noch kriegen können. Doch die war wohl schon durch. Also ziehe ich am Automaten meinen Fahrschein. 2,75 € für eine Stadtfahrt ist üppig.

Ich warte, … ich warte immer noch, … ich verteile den ersten Punktabzug, die Bahn hätte jetzt hier sein müssen, sie ist selbst in der Ferne nicht zu sehen.

Fünf Minuten später kommt sie, endlich. Ich steige ein. Es klingelt, die Türen schließen sich und sie fährt los. Nach zehn Metern blinkt sie links.
„Was soll das! Ich will nach rechts! Kennt die den Kurs nicht?“ Doch, sie kennt ihn, ihren Kurs. Der ist nicht meiner. Das ist die Fünfzehn, nicht die Sechszehn, wie es von mir geplant war. Soll ich die Notbremse ziehen, mitten auf der Kreuzung? Hier kam doch noch nie die Fünfzehn, außer neulich und vor neulich mal und … Die Welt ist gemein zu mir, diese Straßenbahn sowieso!

Nach der Kreuzung kommt gleich die nächste Station. Ich steige aus, laufe die knapp hundert Meter zurück. Rote Fußgängerampeln beachte ich jetzt nur, wenn gerade viel Verkehr ist. Es ist viel Verkehr, es ist Berufsverkehr in Frankfurt.

„Hurra! Da fährt sie, meine Sechzehn! Mist!“ Natürlich habe ich in diesem Moment nicht „Mist!“ gedacht. Es waren andere Worte, die ich hier nicht wiedergeben möchte. Man würde am Erfolg der guten Erziehung, die mir dazumal Mama und Papa angedeihen ließen, zweifeln.

Ich warte weitere zehn Minuten, achte bei der nächsten Tram – wieder dieses doofe Wort – auf deren Nummer und steige ein. Ich weiß schon jetzt, dass ich zu spät komme. Das ist mir oberpeinlich, selbst, wenn es genau genommen gar nicht weiter schlimm ist. Ich bin eben ein Pünktlichkeitsfanatiker.

Die Fahrzeit überbrücke ich mit meinem Smartphone. Natürlich passe ich als Erstes auf, dass die Bahn auch richtig abbiegt, also nach rechts über die Friedensbrücke. Wir kommen am Hauptbahnhof und dem Platz der Republik vorbei, nähern uns der Messe.

„Aufgrund der Verspätung der Bahn steigen Sie bitte an der folgenden Haltestelle alle aus. Die nächste Straßenbahn kommt in Kürze.“ Die Logik dieser Ansage erschließt sich mir bis heute nicht. Vielleicht kann die Bahn schneller fahren, wenn sie leichter ist, wenn niemand drin sitzt? Nur noch pünktliche Straßenbahnen, wenn sie alle leer fahren!

Also, alle raus. Fünf Minuten später kommt die nächste Bahn. Alle rein und weiter geht die Fahrt.

Schließlich erreiche ich mit einer Viertelstunde Verspätung mein Ziel.

Nein, Freunde werden wir nicht, die Straßenbahn und ich.