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Nimmerklug und der Weihnachtsmann

Mit der Unterstützung seiner Freundin Pünktchen hat Nimmerklug einen Wunschzettel an den Weihnachtsmann geschrieben. Pünktchen hatte ihn gewarnt:

„So ein großes Geschenk kann der Weihnachtsmann doch gar nicht bringen“, sagte sie, „und warst du auch brav?“ Natürlich ist Nimmerklug der Meinung, dass er lieb genug war, um vom Weihnachtsmann so ein großes Brauseauto, wie es die Mechaniker Schraubschnell und Schraubstift konstruiert haben, geschenkt zu bekommen. Noch dazu eines mit einem großen Anhänger samt gefülltem Brausefass.

Pünktchen machte sich große Sorgen. Wenn das mit diesem Geschenk für Nimmerklug nicht klappt, hat der bestimmt tagelang furchtbar schlechte Laune und wird sogar am Weihnachtstag mit den Mädchen Zank und Streit anfangen. Sicherheitshalber hatte sie noch heimlich auf Nimmerklugs Wunschzettel eine Nachricht für den Weihnachtsmann geschrieben. Er möge sich wenigstens etwas Kleines, Süßes für ihren Freund einfallen lassen. Nimmerklug ist nämlich im Großen und Ganzen ein ganz netter Knirpserich. Der hat das gar nicht mitbekommen, hat nur seine Unterschrift drunter gekrakelt und ist dann mit dem Wunschzettelbrief zum roten Briefkasten am Rathaus von Sonnenstadt gepeest.

„Nicht einmal eine Briefmarke hat er draufgeklebt!“, jammerte Pünktchen. Sicherheitshalber hat sie nichts gesagt. Sonst wäre Nimmerklug vielleicht noch verrückt geworden.

Für den Katastrophenfall, dass Nimmerklug am Weihnachtsabend leer ausgeht, backt Pünktchen zwei Tage vor dem Fest eine große Portion Plätzchen mit einem Klecks süßer Marmelade oben drauf. Die will sie ihrem Freund schenken.

Pünktchen ist mächtig aufgeregt. Sie hat doppelten Grund dazu. Zuerst hofft sie natürlich, dass der Weihnachtsmann ihre eigenen Wünsche, wenigstens einen davon, erfüllt. Und dann ist da ja noch die Sache mit Nimmerklug.

Am allermeisten ist natürlich Nimmerklug zappelig. Er kann gar nicht erwarten, sein Brauseauto mit dem Brauseanhänger in Besitz zu nehmen. Allen Knirpserichen und Knirpselinen aus Sonnenstadt hat er mindestens dreimal erzählt, dass er bald ein Brauseauto mit ganz viel roter Brause besitzen wird, dass er von nun an jeden Tag mindestens sieben große Gläser roter Brause trinken wird. Sein Kumpel Moppe hat ihn ausgelacht. Beinahe hätten sie sich mal wieder geprügelt, doch gerade noch rechtzeitig fiel den Beiden ein, dass dies so kurz vor dem Besuch vom Weihnachtsmann nicht so günstig ist.

Dann endlich ist es soweit. Die Knirpse haben sich im Haus ihres Anführers Immerklug versammelt. Seine große Wohnung ist weihnachtlich geschmückt. Der Weihnachtsbaum strahlt mit vielen bunten Lichtern. Jeder Besucher durfte einmal in die große Bonbonschüssel greifen und sich zur Beruhigung ein paar Leckereien nehmen. Der Tisch ist festlich gedeckt. Etliche Kerzen stehen darauf.

„Geduldet Euch!“, ruft Immerkug das eine um das andere Mal. Alle sind aufgeregt, scharren mit den Füßen, zappeln oder schnattern einfach drauflos. Plötzlich klopft es laut vernehmbar an der Tür. Im selben Augenblick ist es mucksmäuschen still. Nur die Herzen der Knirpselinen und Knirpseriche pochen so laut, dass man es hören kann.

„Herein, lieber Weihnachtsmann!“, ruft Immerklug. Er ist der Einzige, der dazu in diesem Augenblick in der Lage ist. Mit lautem Knarren öffnet sich die Wohnungstür. Komisch, sonst knarrt die Tür von Immerklugs Wohnung doch nicht. Der Weihnachtsmann steht mitten im Zimmer, alle Augen sind staunend auf ihn gerichtet. Immerklug begrüßt den Gast und fordert die Knirpselinen und Knirpseriche auf, ihr Weihnachtslied, dass sie schon Wochen zuvor einstudiert haben, zu singen. Der Weihnachtmann strahlt. Pünktchen sagt noch ihr selbst geschriebenes Gedicht auf. Sie war extra noch bei Blüte, dem Dichter, um sich etwas helfen zu lassen. Zu Belohnung holt der Weihnachtsmann für sie gleich ein großes Paket mit einer roten Weihnachtsschleife aus seinem Jutesack hervor.

Nach und nach werden alle Bewohner von Sonnenstadt aufgerufen und erhalten ihr Weihnachtsgeschenk. Einige sagen dazu kleine Gedichte auf oder singen Lieder. Geigenstrich, der Musiker von Sonnenstadt, spielt auf seiner Violine ein Weihnachtslied. Alle Knirpselinen und Knirpseriche singen sofort mit. Die Aufregung ist wie von selbst weggeflogen.

Nimmerklug grübelt die ganze Zeit, wie sein großes Brauseauto samt Anhänger und Brausefass in den Geschenkesack vom Weihnachtsmann passen kann.

„Hätte ich doch lieber noch ein Gedicht oder ein Weihnachtslied lernen sollen?“, fragt er sich die ganze Zeit. Dann hält auch er ein großes, bunt verschnürtes Paket in der Hand. Es ist ganz schön schwer.

„Da ist bestimmt ein Felsbrocken drin!“, lästert Moppe. Doch Nimmerklug lässt sich nicht provozieren.

Der Weihnachtsmann verabschiedet sich. Auch die anderen Knirpselinen und Knirpseriche im ganzen Knirpsenland warten auf ihre Geschenke. Er sagt noch, dass es ihm hier in Sonnenstadt sehr gut gefallen hat. Und schwupps, ist er fort. Knarrend fällt die Tür ins Schloss.

„Oh schaut mal!“, ruft Pünktchen plötzlich und zeigt zum Fenster, „Es schneit in Sonnenstadt! Hurra! Morgen holen wir die Schlitten heraus und rodeln alle um die Wette!“ Die Knirpselinen und Knirpseriche sind begeistert. Vor Freude reden alle lautstark durcheinander. Doch nicht lange, denn die Neugier auf den Inhalt der Geschenke vom Weihnachtsmann gewinnt rasch die Oberhand.

Pünktchen ist glücklich. Der Weihnachtsmann hat alle ihre Wünsche erfüllt. Die neue rote Schleife bindet sie sofort um ihren Pferdeschwanz. Ganze drei Minuten bewundert sie sich im Spiegel, der bei Immerklug im Zimmer an der Wand hängt. Und natürlich ist sie überglücklich, als sie die neuen Buntstifte und den Malblock auspackt. Schließlich hält sie noch ein dickes Märchenbuch in den Händen.

„Immerklug! Schau mal, ich habe ein neues Märchenbuch. Bitte lies uns heute Abend daraus vor!“

„Ja, bitte!“ rufen sie alle durcheinander. Immerklug gefällt diese Idee. Er muss nur noch überlegen welches Märchen er heute vorlesen könnte.

„Vielleicht“, denkt er, „Vielleicht lese ich das Märchen von Frau Holle vor.“ Er verrät noch nichts.

Nimmerklug ist noch mit dem Aufknoten der Schleife um sein Paket beschäftigt. Er hat vor Neugier so kräftig gezogen, dass nun gar nichts mehr geht. Immerklug kommt mit einer großen Schere zu Hilfe. Auch Pünktchen ist gespannt. Ihr Herz klopft so laut, als wenn es ihr eigenes Geschenk wäre.

„Ein Buch!“, stellt Nimmerklug erstaunt fest.

„Ein Kochbuch, eines für Limonade.“ sagt Pünktchen.

„Muss man Limonade kochen?“

„Vielleicht, wenn du Kräuterlimonade trinken möchtest? Dann musst du einen Sud aus den Blättern kochen.“

„Oh!“, ruft Nimmerklug entzückt, „Eine riesige Flasche Waldmeisterlimonade … und eine mit Himbeergeschmack! Ich glaube, wir müssen alle erst einmal mit Limonade aufs Weihnachtsfest anstoßen!“ Immerklug holt schnell Gläser für alle und Pünktchen hilft dem Freund beim Einschenken.

„Prost Freunde!“, ruft Nimmerklug laut. Immerklug ergänzt

„Ein schönes Weihnachtsfest für euch alle!“ Dann stoßen sie mit den Gläsern an. Als das Klirren verstummt, trinken sie von Nimmerklugs köstlicher Weihnachtslimonade.

Am glücklichsten von allen scheint Pünktchen zu sein. Sie wundert sich zwar, dass der Wunschzettel von Nimmerklug auch ohne Briefmarke angekommen ist. Umso mehr freut sie sich, dass der Weihnachtsmann auch für Nimmerklug ein passendes Geschenk ausgewählt hat.

„Schaut mal Freunde!“, ruft Nimmerklug plötzlich, „Ich habe noch ein Ausmalbuch mit ganz vielen Brauseauto in meinen Geschenkekarton gefunden! … Und bunte Wachsmalstifte!“ Er ist glücklich – auch ohne Brauseauto.

Das Zimmer gleicht einem Schlachtfeld. Erst einmal müssen die Knirpseriche die vielen Kartons wegräumen. Die Knirpselinen falten das Papier zusammen und sammeln die bunten Bänder auf. Dann sind alle erst einmal mit den vielen Geschenken beschäftigt.

Zwischendurch fällt Pünktchen ein, dass sie für Nimmerklug die Riesenportion Weihnachtsplätzchen mit Marmeladenklecks obendrauf gebacken hat. Sie beschließt, dass die für alle Knirpselinen und Knirpseriche von Sonnenstadt reichen und stellt sie einfach auf den Tisch.

„Haut rein!“, sagt sie nur. Dankbar greifen alle zu. Morgen früh muss Immerklug gründlich saugen. Einige Knirpse haben nämlich ziemlich gekrümelt.

„Abendbrot!“, ruft Klops, der Koch und leckerer Bratenduft strömt ins Zimmer. Erst jetzt merken sie, dass sie großen Hunger haben.

Der wunderschöne Weihnachtsabend geht wie im Flug zu Ende. Heute gehen die Knirpselinen und Knirpseriche etwas später ins Bett. Nimmerklug begleitet seine Freundin Pünktchen wie ein richtiger Kavalier nach Hause. Beide haben ihre Weihnachtsgeschenke unterm Arm.

Moppe denkt sich, als er die beiden verabschiedet:

„Die sind bestimmt verliebt!“ Na und! Ist das etwa schlimm? Nimmerklug und Moppe bleiben trotzdem ganz dicke Freunde, auch wenn es ab und zu mal etwas derb zugeht zwischen den Beiden.

Heute Abend fallen den Kripselinen und Knirpseriche die Augen ganz schnell zu. Wunderbare Träume wabern durch die verschneiten Straßen von Sonnenstadt. Und morgen wird gerodelt, solange bis die Sonne untergeht. Das steht fest!

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Der Artikel erscheint gleichzeitig im Weihnachtskalender der Autorengruppe ARS Autoren RheinMain Stammtisch.