Schlagwörter

, , , ,

Hin und wieder fahre auch ich mit der Straßenbahn. Viel lieber nehme ich die U-Bahn, aber manchmal lässt es sich nicht vermeiden, die Tram zu nehmen.

Kürzlich fuhr ich zur Abwechslung mal in Erfurt mit der Straßenbahn. Eine Sechzehn gibt es dort nicht. Also sehe ich zuversichtlich drein und fahre mit der Tramlinie 2 in die Stadt.

Adam Ries

Adam Ries

Jede Stadt auf dieser Welt hat ein anderes System für die Fahrkarten. Nur eines ist gleich. Die Fahrt ist teuer, heute teurer als gestern und billiger als morgen. In Erfurt kauft man sich am Automaten die Fahrkarten. Am günstigsten sind die Viererkarten. Man erhält aber nur zwei Tickets und der Auswärtige wundert sich. Des Rätsels Lösung ist einfach. Jeder Fahrschein kann in der Straßenbahn beidseitig entwertet werden. Und bekanntlich macht 2 x 2 nach Adam Ries gleich 4. Schließlich sind wir in Erfurt und hier hat dieser Adam von 1518 bis 1522 eine Rechenschule geleitet. Außerdem schrieb er zwei Rechenbücher und ließ sie drucken. Ja, die Erfurter sind im Großen und Ganzen ein recht schlaues Völkchen.

In Frankfurt muss man jede Fahrkarte einzeln vor der Fahrt am Automaten kaufen. Sie ist sofort entwertet und gilt eine Stunde lang. Selbst dann, wenn die Straßenbahn ausfällt. Da ist mir das System in Erfurt wirklich lieber. Und wenn man kurz vor knapp angerannt kommt und kein Billett hat, kauft man es in Erfurt an einem Automaten in der Bahn. In Frankfurt schaut man der abfahrenden Bahn hinterher, schimpft auf den dreckig grinsenden Tramführer und drischt wutentbrannt auf das dusselige Display des Fahrscheinautomaten.

Natürlich sind die Besitzer von Wochen-, Monats-, Jahres- oder sonstigen Karten im Vorteil. Nur lohnt sich eine Jahreskarte für eine einzelne Fahrt in die Stadt und zurück kaum. Ich habe es nachgerechnet. Wir sind schließlich in Erfurt. Hier hat Adam Ries … Aber das erklärte ich bereits.

Am Anger in Erfurt kreuzen sich etliche, genauer gesagt alle sechs Straßenbahnlinien. Für die Rückfahrt brauchte ich ein Ticket, also enterte ich einen Automaten. Hier stehen etliche herum, hier steigen viele Menschen ein, aus oder um. Ich wähle mein Wunschticket. Sieben Euro für eine Viererkarte:

„Okay, wenn es nicht billiger geht, nehme ich die.“ Indem ich das denke, sehe ich, dass der Automat keinen Schein annimmt. Bei den Münzen ist es ähnlich. Ich hätte noch mit Fünfcentmünzen bezahlen können. Die hatte ich aber gerade nicht im Hunderterpack einstecken. Außerdem wollte ich hier nicht fünf Stunden verbringen. Die Büchse schien voll zu sein.

Also trabe ich zum nächsten Automaten. Das Spiel beginnt von vorn. Das Ergebnis ist dasselbe. Gegenüber gibt es noch einen Automaten. Es ist wie Lotteriespielen.

„Will man mich zum Schwarzfahren zwingen?“ Selbst das geht nicht, denn der Apparat in der Bahn funktioniert garantiert. Nur muss man hier einen höheren Fahrpreis blechen.

Am dritten Automaten bekomme ich mit einem Fünfeuroschein und einer Zweieuromünze meine Tickets. Na das passt gerade so. Ich habe mich über diese Supertechnik so geärgert, dass ich beinahe vergessen hätte, meine Fahrscheine aus dem Fach zu nehmen. Sicherheitshalber checke ich, ob vergessenen Wechselgeld drin liegt. Ich habe schon mal einen Euro gefunden. Nein, diesmal ist kein Bonus abzustauben – Schade.

Es war knapp, denn gerade rollt meine Bahn an.

Die Automaten scheinen für Feiertage in Kombination mit einem Wochenende nicht ausgelegt zu sein. Mehrere Tage ohne Automatenrevision, sind zu viel. An allen Automaten blinken die Störungslampen. Vielleicht hätte man die Geldboxen zwischendurch einfach mal leeren und die Geldkanäle ölen sollen. Da nützt es nichts, wenn mir auf dem Display schöne Feiertage gewünscht werden.

Nein, Freunde werden wir nicht, die Straßenbahn und ich.