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Vom Erfurter Petersberg nach Eltville-Hattenheim

Erfurt, die Landeshauptstadt im Weinland Thüringen, ist eine schöne Stadt. Sie besticht vor allem durch ihre Historie. Markante Punkte in der Stadt sind die Krämerbrücke, der weit sichtbare Dom mit seiner gigantischen Glocke „Gloriosa“ und die mächtige Zitadelle auf dem Petersberg.

Der Erfurter Weinbau hat eine lange Tradition. Schon die Mönche des Erfurter Kloster Sankt Peter und Paul (1060-1803) bauten auf dem Petersberg Wein an.

Weinberg auf dem Petersberg

Weinberg auf dem Petersberg

Der Weinberg befindet sich auf dem Petersberg, unterhalb der Zitadelle mitten in der Stadt. Gerademal 99 Weinstöcke standen hier zu Beginn. Ab dem hundertsten Weinstock wäre irgendeine Genehmigung vom obersten Winzerverband nötig gewesen. Die gab es wohl nicht, weil sich die Weltwinzergemeinschaft keinen zusätzlichen Konkurrenten an Bord holen möchte – echte Schisser sind das. Da haben sich die pfiffigen Erfurter die Bechtheimer Winzer als Partner an Bord geholt. Nun werden mehrere hundert Weinstöcke liebevoll gehegt und gepflegt. Nachlesen kann man das hier.

Ein Weinberg mitten in der Stadt, Erfurt ist mit über 200.000 Bewohnern wirklich kein Dorf, ist etwas Außergewöhnliches. Kann ein Wein im Zentrum der örtlichen Feinstaubproduktion überhaupt schmecken? Die Erfurter machen es möglich! Die sind ein pfiffiges Völkchen! Sie produzieren Wein, süß wie Honig, herb wie Schlehen, sauer wie Zitronen, rot wie Schamesröte, klar wie Kloßbrühe, lasch wie die Tagessuppe beim Italiener gegenüber, scharf wie die Gummipuppen im örtlichen Erotikshop, bitter wie die Medizin aus der Versandapotheke, … Zum Glück liegt der Weinberg mitten in der Umweltzone. Alle Trauben bekommen die grüne Plakette aufgeklebt. Jede Geschmacksrichtung ist vertreten, Höchstpreise sind angesagt. Ob man in den traditionellen Weinbaugebieten, wie dem Rheingau, da noch mithalten kann?

Klauen verboten

Klauen verboten

Der Erfurter Wein ist so gut, dass die Winzer mächtig aufpassen müssen, dass er nicht geklaut wird. Sie haben vorgesorgt!

Der Wein wird in Erfurt wie ein Schatz behandelt. Sicher bekommen die Stadtmütter und -väter ein Schlückchen geboten. Für alle anderen wird er in einem regionalen Lädchen auf der legendären Krämerbrücke zum Verkauf angeboten.

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Was sagen die Winzer im Rheingau dazu? Sagen sie überhaupt etwas? Das zu erkunden begeben sich am kommenden Sonntag sechs Autoren der ARS Autorengruppe RheinMain mitten hinein in die Höhle des Löwen, genauer gesagt in das Weingut „Hans Lang“ in Eltville-Hattenheim. Sie haben Geschichten zum Wein geschrieben und werden sie dem dortigen Publikum vorstellen. Eine erste Auflage dieser Lesung unter dem Titel „In vino poetas“ fand bereits im November des letzten Jahres statt. Einen Bericht darüber kann man im ARS-Blog anschauen.

Die Gastgeber des Weinguts „Hans Lang“, Urban Kaufmann und Eva Raps, bieten den Gästen etliche Sorten ihre Weine zur Verkostung an. Dazu reichen sie leckere Köstlichkeiten, wie Appenzeller Käse, Frikadellen vom wilden Schwein und Roquefortkugeln. Passend zur jeweils ausgeschenkten Weinsorte lesen die Autoren ihre Geschichten. Und zwischendurch unterhält Harald Andres die Gäste mit Musik.

Franziska von Schleyen eröffnet den Reigen der Autoren. Sie trägt ihre „Rheingau Impressionen“ vor. Franziska ist eine echte Rheingauer Pflanze, Expertin in Sachen Wein.

Agga Kastell, auch sie ist im Rheingau zu Hause, hat eine skurrile Geschichte unter dem Titel „Eigener Herd ist Goldes wert“ geschrieben. Ihr Herd ist wirklich ein ganz besonderes, ein menschenverschlingendes Exemplar. Ihr schwarzer Humor kommt beim Publikum immer an.

Kaufmann tell

Kaufmann tell

Rainer Franke, der Autor dieses Artikels, der Hausherr dieses Blogs, trägt eine Liebesgeschichte vor. Es ist eher eine humoristische Tragödie. Sie endet zum Glück versöhnlich:

„… Ein langer Abend folgt. Dessen Ende liegt im Novembernebel vom Sonntagmorgen. Doch wen interessieren an solch einem schönen Morgen die Nebel …“

Meddi Müller, der sich als Autor gerne in alten Zeiten tummelt, macht sich auf die Suche nach den historischen Quellen des Wisselbrunnens. Dieser uralte Brunnen befindet sich mitten in den Weinbergen. Meddi hat aus seiner Fantasie eine wundervolle, überraschende Sage ausgegraben, welche den Rheingauer Weinliebhabern berichtet, wie der Wisselbrunnen entstand.

Die Erzählung von Robert Maier ist düster und mysteriös. Er erzählt von einem mordenden Weingeist. Starke Nerven sind erforderlich.

Last but not least trägt Katja Faßhauer ihre Geschichte vor. Sie hat eine besonders schwere Aufgabe erwischt, eine Geschichte zu schreiben, über den schwersten der zu verkostenden Weine, eine Trockenbeerenauslese. Hoffentlich finden wir danach unseren Heimweg!

Neugierig geworden? Vielleicht gibt es hier noch eine Karte. Ansonsten planen das Weingut „Hans Lang“ und ARS weitere Lesungen dieser Art. Ich halte die Leser meines Blogs auf dem Laufenden – versprochen.