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Blitzeinschlag

Blitzeinschlag

Annemarie und Manuel sind seit Stunden im Fahrstuhl eingeschlossen. Die Dame vom Notdienst sagte, es wäre ein Kurzschluss aufgetreten. Irgendwo hätte ein Blitz reingehauen. Sie würden in Kürze gerettet werden. Die Beiden nutzen die Zeit zum Kennenlernen, Plaudern und Pläneschmieden. Allerdings überwiegen bei Annemarie Angst und Skepsis. Manuel ist natürlich ein tapferer Mann und Beschützer. Wenigstens spricht er ihr immer wieder Mut zu.

Der folgende Text ist ein Bonuskapitel zur Geschichte:

„Kurz … oder die Supernova im Fahrstuhl“

Diese Geschichte ist in meinem Buch „Tanz der Puppen“, Band 4 der Reihe „Mittendrin und Drumherum“ erschienen. Weitere Informationen zu meinen Veröffentlichungen sind hier zu finden.

Supernova am Dreistromstein

Fahrstuhl

Fahrstuhl

Ständig gähnt Annemarie. Das ist ansteckend und auch Manuel kämpft gegen die Müdigkeit an. Entschuldigend sagt er:
„Bestimmt schlafe ich gleich ein. Der Sauerstoff wird knapp.“
„Du meinst, wir ersticken, bevor wir verhungert sind?“
„Quatsch, die Kabine hat genügend Ritzen.“
„Also doch verhungern. Oder wir verdursten.“
„Oder wir werden hier heraus geholt“, versucht Manuel, zu beruhigen.
„Das glaube ich erst, wenn ich draußen bin.“ Es gibt im Moment keinerlei Anzeichen für eine Rettung.

Manuel hat eine Idee:
„Erzähl mir etwas, irgendetwas. Dann vergeht die Zeit und du denkst nicht andauernd an diesen blöden Kurzschluss.“ Annemarie überlegt. Sie kennen sich ja gerade erst zwei oder sind es inzwischen schon drei Stunden. Andererseits, … Sie schaut zu Manuel herüber. Der hat sein T-Shirt hochgezogen. In der Kabine des Fahrstuhls ist es warm und stickig. Hm, denkt Annemarie, wenigstens sterbe ich zusammen mit einem gut aussehenden Mann. Er wird mich dann in die Arme nehmen.

Nebelwetter

Nebelwetter

„Neulich war ich mit meiner Gymnastikgruppe in Thüringen, ganz oben im Thüringer Wald“, beginnt Annemarie, „Ein reiner Mädelsausflug – ich glaube, du wärst so Manchesmal schamesrot im Erdboden versunken. Unsere Witze wären nichts für dich gewesen.“
„Du glaubst nicht, was ich alles aushalten kann!“
„Wir zwölf Mädels hätten sogar dich überfordert. Oder möchtest du beim nächsten Ausflug unserer Gruppe mitkommen?“
„Hm, das ist eine schwere Frage. Wenn du mich persönlich betreust, notfalls auch beschütz!“, entgegnet Manuel lachend.
„Das überlege ich mir. Du musst aber mit uns wandern gehen. Ich finde wandern ja total langweilig. In der Clique macht es allerdings Spaß – obwohl wir dichten Nebel hatten.“

Annemarie berichtet von dieser Wanderung.
„Wir kamen an einem Obelisk vorbei. An dem fließt das Wasser in drei verschiedene Flüsse, je nachdem, auf welcher Seite ein Tropfen landet. Ein klitzekleiner Windhauch reicht, um zwei Tropfenschwestern für immer zu trennen. Wir haben dort unsere Spucke auf die Reise geschickt. Einmal lenkten wir sie zur Elbe, dann zur Weser und den dritten Schluck zum Rhein.“
„Die treffen sich in der Nordsee wieder.“
„Meinst du? Die Nordsee ist groß, ob die sich finden? Das wäre ein echter Zufall, gewaltiger als ein Lottojackpot.“ Annemarie zweifelt an Manuels Theorie.
„Die Spucke wird auf ihrem Weg total verdünnt. Und jedes Spuckeatom wird einen anderen Weg entlang gespült. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich zwei Atome aus deinem Mund wieder treffen enorm.“

Dreistromstein

Dreistromstein

„Das klingt wie Homöopathie. Pro Globuli, pro Kubikkilometer Nordseewasser ein Spuckeatom. Na wenn du davon nicht gesund wirst!“
„Ich glaube nicht an Homöopathie“, entgegnet Manuel. Allerdings stellt er sich gerade vor, wie es ist, Annemarie zu küssen. So ein richtig langer Zungenkuss geistert durch seinen Kopf. Er genießt die Gedanken an die Berührung ihrer Zungen. Ihre Spuckeatome stören ihn überhaupt nicht, ganz im Gegenteil sogar. Und dieser komische Stein ist ihm dabei total egal. „Vielleicht ist der Erfinder der Globulis auch zu diesem Denkmal gewandert und hat dein Spuckeexperiment veranstaltet.“
„Bestimmt!“, entgegnet Annemarie und betrachtet sich seine Mundpartie genau. Ja, diese Lippen … die könnten mich … Zum Glück ist die Notbeleuchtung der Kabine eine schwache Funzel, sodass Manuel nicht mitbekommt, wie sie ihn anschaut – mit einem Lächeln im Gesicht, dem Ersten seit Stunden.

Eine amuröse Supernova beginnt, zu keimen. Verhungern ist für Annemarie kurzzeitig keine Option.

Bilder: Der Autor und www.pixabay.com