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Das Leben ist gefährlich. Völlig überraschend steht man plötzlich bis zum Knie oder noch weiter in grüner Kuhschiete! „Mist“, denkt man sofort und hat mit der spontanen Gemütsregung nicht einmal Unrecht. Aber es kann noch schlimmer kommen.

Als Fotograf könnte man auf die völlig irrsinnige Idee kommen, ein Kalb zu fotografieren. Dann hat man womöglich ein Problem. Möglicherweise muss man sein ganzes mühsam gespartes Vermögen hinblättern. Schlimmstenfalls steht der Fotograf, wenn es gar das Kalb einer Hochleistungskuh war, sogar mit einem Beinchen im Knast und wartet auf die anschließende Sicherungsverwahrung. So jedenfalls hätte es manche Bäuerin gerne. Seien wir gewarnt und lassen wir uns nicht mit Kühen, deren Kälbern oder Bäuerinnen oder gar allen Dreien ein. Wohl dem, den diese Warnung rechtzeitig erreicht.

Hier findet man die aktuelle Rechtsprechung zu dem Problem. Der Fall stammt zwar aus dem Jahr 2010, ist aber trotzdem hochinteressant. Ich meine das mit der Bäuerin und ihrem Kalb Anita und nicht das mit der grünen Pampe. Da haben wir ja gerade noch so Glück gehabt! Oder?

Nun ist das ergangene und rechtskräftige Urteil des AG Köln noch längst keine allgemein verbindliche Rechtsinterpretation. Wir leben ja schließlich in einem Rechtsstaat, noch dazu in Deutschland! Ein anderes Gericht könnte natürlich darauf abstellen, dass die Schiete des Kalbs wegen der ihr immanenten Rutsch- und damit verbundenen Verletzungsgefahr ohne ein konkretes, deutlich sichtbares und beleuchtetes Warnschild an jedem Fladen eine erhebliche Gefahr für die Allgemeinheit darstellt. Aber andererseits ist das Ablichten der minderjährigen Quelle dieser Gefahr und deren Veröffentlichung ohne Verpixelung der Physiognomie eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte des Kalbs. Und die Veröffentlichung eines solchen Bildes inklusive der Ohrmarkennummer stellt noch dazu einen Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz, künftig gar die Datenschutz-Grundverordnung der EU, dar. Aus der Ohrmarkennummer kann indirekt auf die Person der Bäuerin geschlossen werden. Das ist so ähnlich wie mit der IP-Adresse beim Surfen im Internet. Schlussendlich müssen nun beide, also Klägerin und Beklagte, zur Verantwortung gezogen werden. Besser gesagt sind sie umgehend in die nächste Justizvollzugsanstalt einzuweisen. Mit dieser Bäuerin in einer Zelle! Das stelle ich mir lieber nicht vor! Dann lieber mit Ulli? Nee, auch das ist keine Alternative!

Also ist doch Vorsicht geboten! Aber wie sieht es beim Hausschwein, bei Hühnern, Schafen und anderem Hausgetier aus? Geniest auch das Gehackte am Fleisch- und Wurststand im Supermarkt noch diese Persönlichkeitsrechte. Fest steht, dass man dieses innerhalb des Supermarkts nur mit besonderen Einverständniserklärungen fotografieren darf. Doch beim Knipsen von draußen, quasi durch das Fenster hindurch, kommt die Panoramafreiheit mit ins Spiel.
„Da darf man doch!“, denkt der gemeine Fotograf. Aber muss man mit dem gehackten Vieh einen Modelvertrag abschließen oder wäre hier die Unterschrift der Bäuerin auf dem Vertrag erforderlich, ausreichend und rechtsverbindlich? Wie ist sichergestellt und verifizierbar, dass Gehacktes, Kalb und Bäuerin vormals in einem gültigen Rechtsverhältnis zueinander gestanden haben? Oder ist der Metzger, die Verkäuferin oder der Marktleiter jetzt Rechtsträger? Und wenn ich das Hackfleisch dann gekauft habe? … Und wie sieht es bei Mischhack oder der Thüringer Bratwürsten aus?

Der Problemkreis wächst sich klammheimlich immer weiter aus. Haben wir die Klöpschen erst einmal gefuttert, mischen sie sich mit dem dazu gereichten Helgoländer Kartoffelsalat, hergestellt aus Kartoffeln vom Felde des Bauern Pieselfritz und Heringsfilets, die Fischers Fritze ins Netz gegangen sind. Auch das, was dann einige Zeit später und eine Etage weiter unten wieder herauskommt, ist nicht unproblematisch. Müssen wir Bäuerin Anita, Bauer Pieselfritz und Fischers Fritze nun ihren Anteil senden? Und wenn uns die Mischung nicht richtig bekommen ist? Gibt es Schadensersatz? Wem gehören die Blähungen? Müssen sich die Drei eventuell an dem notwendigen Verdauungsschnaps finanziell beteiligen?

Alles in allem ist dies ein weites Betätigungsfeld für Juristen. Man sollte in jedem Fall eine solvente Rechtsschutzversicherung abschließen!

Natürlich kann man aus jedem Kuhfladen eine Geschichte, genau wie diese oder einen Fall für Juristen basteln. Es gibt nur den einen Unterschied. Dieser Fall ist echt, die Story muss gesponnen werden.