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PimpinelleAm Samstag, den 29. April um 19 Uhr findet in der Gaststätte „Grüne Soße und Mehr in Frankfurt-Oberrad die „7-Kräuter-Lesung“ der Autorengruppe ARS statt. Es geht um jene 7 Kräuter, welche Bestandteil der berühmten Frankfurter Grünen Soße sind.

Ich hatte das Vergnügen, eine Geschichte über die Pimpinelle (auch Pimpernell oder kleiner Wiesenknopf genannt) zu schreiben und werde am kommenden Samstag daraus vorlesen.

„Ich muss gestehen, noch nie Grie Soß gegessen zu haben. Das ist in meinem Lebensplan nicht vorgesehen. Das hat einen Grund: Die Pimpinelle hat eine blutige Vergangenheit.“

Hartgesottene Hessen, also echte Grie-Soß-Fresserchen, lassen sich von dieser Geschichte nicht den Geschmack verderben. Doch die (literarische) Wahrheit wird jetzt ans Tageslicht gebracht.

Fräulein Pimpernell muss im Jahr 1521 sehr schnell das thüringische Erfurt verlassen. Es geht um ihren Kopf. In Oberrad findet sie, auch mithilfe ihres hilfsbereiten Nachbarn Adam Moritz, dessen Profession eher blutiger Natur ist, ein bescheidenes Auskommen. Sie ist dank eines Gespensts, welches seine schützende Hand über sie hält, nicht unvermögend. Trotzdem lebt sie genügsam, hilft den Mädchen im örtlichen Waisenhaus so gut sie kann. Sie leistet ihren Oberräder Nachbarn sowie einem Jugendfreund, auch mithilfe ihrer fellbezogenen, kupfernen Wärmflasche, nicht nur emotionalen Beistand. Schließlich kommt das Gespenst persönlich zu Besuch und repariert ihre Winterstiefel. Die einzige Stippvisite auf dem Frankfurter Römer, also auf der anderen Seite des damals noch wilden Mains, bringt sie selbst beinahe aus dem seelischen Gleichgewicht: Es ist die Zeit der Reformation.

Und die Pimpinelle? Die wächst in ihrem Garten, am blutigen Arbeitsplatz des Nachbarn und wird von diesem später liebevoll auf ihr Grab gepflanzt. Die Grie Sooß mit der Pimpinelle und sechs weiteren Kräutern ist auch der Grund, weshalb die Oberräder lange Zeit als „geizische Leit“ verschrien waren.