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Im Waschsalon

Im Waschsalon

Kurzkrimi – Noch ohne Titel

Für meine Lesung in der Waschbar Rüsselsheim am 23. August bereite ich gerade zwei Texte vor, welche wenigstens teilweise in dieser Waschbar spielen.

Der folgende Auszug aus einem Kurzkrimi beschreibt einen der Protagonisten, eine ziemlich komische Figur.


Drehwurm

Drehwurm

Franka schaut kurz nach ihrer Wäsche, der zweiten Maschine. Die rotiert noch fleißig. Doch das nimmt Franka kaum wahr. Die beiden Figuren, welche vor ein paar Minuten in den Waschsalon stürmten, ziehen ihre Aufmerksamkeit an sich. Die stehen halbnackt da und sortieren ihre Klamotten in zwei Wäschekörbe ein. Franka kann ihren Blick von diesen dürren Waden nicht lösen. Sie gehören zu Leo. Ein Löwe ist der wirklich nicht, eher eine zweibeinige Giraffe. Es ist ein grauenhafter Anblick. Allein die Länge fasziniert. Die schwarzen Haare auf der blassen Haut lassen dieses Fahrgestell so sexy aussehen, wie Kaktus auf Vanillepudding. Einen Meter höher wachsen die Streichholzbeine aus übergroßen Boxershorts, blaukariert und zerknittert. Franka möchte nicht wissen, wie es darunter aussieht. Bestimmt … Franka denkt unwillkürlich an überlange Streichhölzer zum Anzünden von Grillkohle, an den Moment, wenn die rote Phosphorspitze entflammt. Bei dem ist einfach alles Streichholz.

„Nein, nicht weiterdenken!“, befiehlt sie sich.

Leos Oberkörper steckt in einem viel zu weiten Feinripphemd. Dessen Weiß mutierte längst in das Grau eines langen Lebens. Der Schlabberlook verstärkt die Skurrilität seiner Erscheinung. Es ist eher eine Ulkfigur, denn ein Mann. Frankas flüchtiger Blick streift das Gesicht, bevor er wieder von diesen Stachelbeerwaden angezogen wird. Es ist Magie, Magnetismus, ein Anziehen und Abstoßen gleichermaßen. Irgendetwas irritiert, sodass sie ihm noch einmal ins Antlitz schauen muss. Na gut, die Sonnenbrille fehlt. Ansonsten hat er ein ganz normales, recht schmales Gesicht, glattrasiert. Da klebt etwas auf seiner Oberlippe. Ein Popel? Möglich. Diese Waden sehen einfach furchtbar aus. Die Zehennägel ziert ein Trauerrand und dreckige Tennissocken, an deren weiß man sich kaum noch erinnern kann, fliegen in den Wäschekorb. Er hat unglaublich lange Zehen, nicht der dicke Onkel ist der längste. Der Mittlere schlägt ihn deutlich. Die Behaarung von Schienbein und Waden läuft über Spann bis zu den Zehenspitzen. Seine Botten, Schuhe kann man diese abgelatschten Treter wirklich nicht nennen, liegen kreuz und quer im Raum. Zum Glück zerrt er endlich eine Hose aus dem Rucksack, welche er sich hastig überzieht. Es ist keine Scham, die ihn treibt. Das merkt Franka unbewusst. Er nimmt sie nicht einmal wahr.


Im Waschsalon

Im Waschsalon

Was ist das für ein Kerl, dieser Leo? Was treibt ihn in die Waschbar? Ist er Opfer oder Täter in diesem Krimi? Franka ist Opfer, nicht des Kriminalfalls, sonders dieses skurrilen Anblicks. Hoffentlich bekommt sie das abscheuliche Bild schnell wieder aus ihrem Kopf heraus, sonst träumt sie womöglich davon: Es wäre ein Albtraum.

Die zweite Geschichte für die Lesung in der Waschbar Rüsselsheim beschäftigt sich mit Alltagsproblemen der besonderen Art: Einer pubertierenden Tochter, einem Sohn mit Bauchweh, einem Hund, einem neuen Teppich, viel Kacke, einer Frau, die keine Hand spüren möchte, wo sie diese spürt, einem Ehemann, der einen Staubsauger einfängt und viele unglaublich nervenaufregende Erlebnisse von Familie Wild aus Rüsselsheim. Demnächst gibt es hier eine Kostprobe.

Fotos: (c) pixabay.com