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Erfurt - Mariendom und Severikirche

Erfurt – Mariendom und Severikirche

Der Mariendom mit der Severikirche auf dem Erfurter Domberg stellt ein beeindruckendes Ensemble dar. Wahrscheinlich ist dies das am häufigsten fotografierte Motiv der Stadt. Ich kann das gut verstehen. Der Dom beeindruckt durch Größe und erhabenen Standort, die breite Treppe, Domstufen genannt und seine gewaltige Statur. Die Severikirche rechts daneben vervollständigt dieses Bild nicht nur. Auch sie ist ein imposantes, ein interessantes Bauwerk.

Das Pfingstwochenende verbrachte ich auf Burg Fürsteneck in der hessischen Rhön. Beim Pfingstmalen konnte ich mich ungestört, gut versorgt, unter Freunden und mit fachlicher Anleitung durch den Kasselaner Maler Siegfried Rinke dem Malen hingeben. Es war eine unglaublich intensive Zeit, die wie im Fluge verging. Am Pfingstsonntag habe ich mich an dem beschriebenen Motiv von Dom und Severikirche versucht.

Meine Technik ist das Malen mit Pastellkreiden. Ihre Leuchtkraft, die Stärke und Zartheit der Farben begeistern mich. Allerdings gibt es auch Grenzen. Gerade bei diesem Motiv spürte ich, dass es die groben Pastellstifte unmöglich machen, die vielen Details der Fassade zu erfassen. Andererseits zwingt dies dazu, das Wesentliche der Architektur der beiden Bauwerke herauszuarbeiten. Das Malen dieses Bildes war anstrengend und erforderte viel Geduld. Ich war mehrmals nahe am Aufgeben. Doch schließlich war es geschafft. Einerseits bin ich mit dem Ergebnis zufrieden. Andererseits weiß ich nun, dass dieses Motiv ein wesentlich größeres Bildformat und feinere Stifte für die Details erfordert. Bekannter Weise ist nach dem Malen stets auch vor dem Malen. Ich betrachte dieses Bild als Studie innerhalb meines neuen „Domprojekts“, das in diesem Moment das Licht der Welt erblickt.

Während ich am Pfingstsonntag über diesem Bild saß, läutete die Gloriosa, die Glocke des Mariendoms. Es ist die größte freischwingende Glocke Europas (14,45 t), die in einem tiefen „e“ erklingt. Ihr Ton klingt noch über 6 Minuten nach. Für diese Glocke gibt es eine strenge Läuteordnung, nur an wenigen Tagen des Jahres ist sie zu hören. Diesmal war der Grund das Hochfest Pfingsten mit einer Priesterweihe. In den letzten beiden Jahrzehnten gab es nur 3 Anlässe, zu denen die Glocke außerhalb der Reihe ertönte. Ein trauriger Anlass war 2012 der 10. Jahrestag des Amoklaufs am Gutenberggymnasium. Im Jahr 2011 war Papst Benedikt in Erfurt zu Besuch, ein würdiger Moment, die Glocke anzuschlagen ebenso der 20. Jahrestag der Deutschen Einheit.

In Erfurt sagt man: „Wenn die Gloriosa spricht, haben alle anderen Glocken zu schweigen.“ Wird die Gloriosa geschlagen, läutet keine andere Glocke der Stadt. Die Gloriosa erklingt immer als erste. Erst danach fallen die anderen Glocken zeitversetzt in das Konzert ein.

Egal, ob man gläubig ist oder nicht. Der Dom, seine Glocke beeindrucken jeden. Ein schöner Zufall, dass mein Bild vom Erfurter Domberg vom Klang der Gloriosa begleitet wurde. Wenn sogar der Flügelschlag eines Schmetterlings am Amazonas unser Wetter beeinflussen kann, wird der Hauch eines Glockentons von Erfurt bis in die Rhön getragen worden sein und mich unbewusst ermuntert haben, das Bild zu malen, nicht aufzugeben. Schade, dass man die Töne der Gloriosa nicht malen kann. Andererseits: Ich habe gerade eine klitzekleine Idee …