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Weihnachtszeit (Foto: pixabay.com)

Weihnachtszeit (Foto: pixabay.com)

Ein Weihnachtsfest ohne ausführlichen, vielleicht sogar mehrmaligen Besuch des Weihnachtsmarkts ist natürlich nicht erlaubt. Das könnte der Rotmantel womöglich übelnehmen.

Klimbim, Krimskram, viel Unnützes, Kerzen, mächtig und unangenehm riechende Seifen, Staubfänger verschiedenster Art und Größe, Haushaltsartikel, Spielzeug und Bastelkram, Keramik und Glaswaren, Mützen, Pullover und Handschuhe sind die wichtigsten Dinge der weihnachtlichen Non-Food-Abteilung. Zwischendurch immer wieder Glühwein, Glühwein und Glühwein. Und zur Abwechslung mal eine Glühweinbude. Zu Futtern gibt es in allen Geschmacksrichtungen. „Original Thüringer Bratwürste“ von einer Fleischerei in Hessen: Das ist der Renner. Schokoliertes Obst am Stiel, da sieht man die Druckstellen nicht so.

Endlich ein Stand mit Schokoküssen. Früher, als Benjamin ein kleiner Junge war, hießen sie Negerküsse und waren genauso lecker. Das geht heutzutage nicht mehr. Nur weil diese Küsschen so gut schmecken, fast so gut, wie die von Anastasia, die sind allerdings unerreicht, überlegt er:

„Nein! Heute nicht, heute habe ich schon drei Weihnachtsmänner nackig gemacht!“ Das muss reichen, auch wenn vom letzten seine Anna die untere Hälfte bis zum Gürtel abgeknabbert und dabei wollüstig gestöhnt hat. Sie meinte zwar, es wäre wegen der Kalorien. Aber Ben kennt seine Freundin, ihre Präferenzen für bestimmte Körperregionen. In der vergangenen Woche, da war er schon einmal hier, hat er sich so ein süßes, klitzekleines Kalorienbömbchen gegönnt. Und neulich nahm er eine ganze Kiste fürs Büro mit. Die lieben Kolleginnen vergessen dann immer sämtliche Diäten. Jede macht gerade mindestens zwei völlig unterschiedliche zur Vorbereitung auf bevorstehende Völlerei. Eine Diät „Bauch, Beine, Po“, eine für die Bikinifigur. Und wenn das nicht reicht, eine zum Sattwerden.

„Ist ja nur Luft!“, säuseln sie verfressen und glücklich. Benjamin ist mittendrin. Heute ist er eisern.

Ein Stand mit riesigen Tüten voller Popcorn lauert am Ende dieser Gasse. Wer soll die vertilgen? Sie würden sich als Füllung für die Weihnachtspäckchen mit empfindlichen Geschenken gut eignen. Hinterher bekommen die Meerschweinchen der Nachbarin das Zeug zum Nestbau und Futtern. Als Dünger für die Orchideentöpfe auf der Fensterbank wäre das Material auch geeignet. Oder als biologisch abbaubare Ohrstöpsel, falls die Gören von nebenan mal wieder durch- und ihr Radio bis an den Anschlag aufdrehen. Leider gibt es heutzutage kaum noch Do-it-yourself-Heizungen, also solche mit Holz und Briketts zum Heizen. Da könnte man das Zeug zum Anfeuern verwenden. „Anfeuern“ ist das Stichwort. In der nächsten Grillsaison kämen Benjamin die Puffdinger zupass. Anastasia müsste nicht mehr maulen, weil er die Holzkohle nicht zum Brennen bringt. Ein Kilo Popcorn und die Holzkohle würde glühen wie Eisen im Hochofen.


Der Weihnachtsmarkt-Kleptomane

Buchcover

Dieser Text ist ein Auszug aus meiner Geschichte „Der Weihnachtsmarkt-Kleptomane“, erschienen 2016 in der gleichnamigen Sammlung „Der Weihnachtsmarkt-Kleptomane“, die zur Reihe „Mittendrin und Drumherum“ gehört.