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Meine „geliebte“ Linie 16 ist in letzter Zeit etwas kurz gekommen. Das liebt nicht etwa daran, dass ich heimlich Sympathien für sie hege. Davon sind wir weit entfernt.

Neulich war ich wieder unterwegs, wollte nach Oberrad. Was liegt näher, als die Linie 16 zu nehmen: Ein großer Fehler, wie sich herausstellen wird.

Pause

Pause

Ich bin clever. Am Otto-Hahn-Platz ziehe ich eine Tageskarte. Die ist preisgünstiger als zwei Einzelfahrten. Es dauert nicht lange, bis die Tram einfährt. Um diese Zeit, es ist kurz vor halb sieben am Abend, ist sie gut besetzt. Es ist Feierabendverkehr. Die wenigen Stationen bis zum Südbahnhof bleibe ich stehen. Dort muss ich umsteigen: Schienenersatzverkehr. Das klappt normalerweise gut. Man wartet höchstens 10 Minuten, wenn ein Bus kommt. Kommt keiner, das passiert nicht oft, steht man länger, meistens im Regen. Heute macht der Fahrer eine Pause, das muss sein, der Feierabendverkehr schlaucht und er hat eine große Verantwortung. “ class=“wp-more-tag mce-wp-more“ alt=““ title=“Weiterlesen …“ data-mce-resize=“false“ data-mce-placeholder=“1″ />

Ich treffe eine Bekannte, wir plaudern und ich kann nicht einmal sagen, ob der Bus schon nach 9 oder erst nach 11 Minuten einfährt. Im Zweifel für den Angeklagten, ich warte ich nur 9 kleine Minütchen. Der Fahrer macht keine Pause, sondern dreht mit uns eine neue Runde. Irgendwann treffe ich am Buchrainplatz ein.

Bis hierher läuft alles glatt. Doch ich ahne, die Linie 16 hat ihr Pulver längst nicht verschossen.

Zwei Stunden später möchte ich wieder heim. Was liegt in Anbetracht eines gelösten Tagestickets, der Tages- und Uhrzeit näher, als die Line 16 zu nutzen. Vergnügt, ich hatte einen netten Abend mit Freunden, trabe ich zur Haltestelle am Buchrainplatz. Oh Wunder, der Bus steht schon bereit, wartet wohl auf mich. Ich renne ein paar Meter, erreiche die Fahrertür, klopfe, nichts passiert. Ich klopfe noch einmal, nichts passiert. Zumindest bleibt die Tür geschlossen. Der Fahrer wendet seinen Kopf gelangweilt zu mir, schüttelt ihn. Eine junge Frau sagt zu mir, „Der macht nicht mehr auf“. Zwei Minuten später schaltet die Ampel auf Grün und er fährt los.

Was bewog den Fahrer, die Tür geschlossen zu halten? War es die junge Frau, war es ihr Kopftuch, waren es ihre beiden Kinder, eines gar im Kinderwagen? Vermutete er Sprengstoff unter ihrem Mantel oder gar in der Säuglingskutsche? Hätte er mir die Tür geöffnet, wäre auch sie eingestiegen und hätte … Nein, den Bus wäre nicht in die Luft geflogen. Sie wäre einfach nur nach Hause gefahren. Die Kinder sollten zu dieser Zeit längst im Bett liegen und träumen. Das Kleinere tat dies bereits in seinem Wagen, das Größere quengelte ein wenig, man sah ihm die Müdigkeit an.

Etwa zehn Minuten später stiegen wir in den nächsten Bus und erreichten unser Ziel. Ich habe nicht darauf geachtet, an welcher Station die junge Frau ausstieg. Am Südbahnhof wartete ich ein Weilchen auf die Anschlussbahn.

Ja, so sind sie, die Frankfurter Busfahrer. Manche legen eine Pause ein, andere fahren ihre Route stoisch ab und wieder andere mögen ihre Fahrgäste nicht.

Nein! Freunde werden wir nicht, die Linie 16 und ich.