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Straßenbau

Straßenbau – Foto pixabay.com

Der ÖhPeeNVau liefert neue Schlagzeilen, Futter für die Medien. Irgendetwas geht immer schief. Und wenn eine Baustelle in die Quere kommt, ist eine Katastrophe vorprogrammiert.

Meine Linie 16 ist solch ein Fall. Bei Menschen würde man sagen, ab zum Psychiater. Bei Straßenbahnlinien heißt es eher Drama, Chaos, Naturkatastrophe, Planungsfehler oder professionelles Projektmanagement.

In Frankfurt-Oberrad wird gebaut. Die Offenbacher Landstraße schien eine gründliche Sanierung nötig zu haben. Also beschlossen die Frankfurter Chefs, diese Straße zu reparieren. Sie sollte nicht nur repariert werden, man hatte Großes vor. So eine Straße zu erneuern ist keine Kleinigkeit.

Erst einmal muss alles abgesperrt werden, links, rechts, vorn und hinten. Ein Überflugverbot konnte gerade noch abgewendet werden. Dann werden Umleitungen eingerichtet, ringsherum. Schließlich wird die Straße aufgebuddelt. Das ist eine Kleinigkeit, dafür gibt es dicke Bagger. Ganz überraschend findet man Leitungen für Strom, Gas, Wasser, Telefon und Internet. Manchmal sogar fette Bomben. Alles meist alt und marode. Also wird es ausgetauscht. Natürlich nicht die Bombe, die wird nur entschärft, weggebracht und in die Luft gesprengt, wenn man eine findet.

Dann wird beraten. Dazu gibt es lange Meetings mit vielen schlauen Leuten, etlichen Kannen Kaffeeplörre und mittags Häppchen. Schließlich muss der Chef entscheiden. Der ist sauer, weil es teurer wird. Aber billiger geht nicht. Schließlich setzt er seine Unterschrift drunter, unter den neuen Plan.

Jetzt werden alle Leitungen rausgerissen und erneuert. Das hätte man schon vor Jahren erledigen müssen, aber da war die Straße gerade nicht aufgebuddelt, kein Geld in der Kasse und anderes hatte Priorität.

Schließlich muss die Straße wieder zugemacht und schön asphaltiert werden. Weil in der Offenbacher Landstraße meine geliebte Linie 16 verkehrt, werden Gleise gelegt und neue Oberleitungen, sowie Verkehrsschilder und Ampeln montiert. Hübsche Glasdächer und Fahrkartenautomaten an den Haltestellen dürfen auch nicht vergessen werden.

Milchstraße

Milchstraße

Das alles dauert seine Zeit. Hätte man Erfahrung mit dem Straßereparieren, wüsste man sogar, wie lange. Erfahrungen hat man nicht, die Offenbacher Landstraße ist in unserem Universum und weit darüber hinaus die erste Straße, welche überholt werden muss. Aber aus den hier gemachten Erfahrungen lernt man. Falls mal die Milchstraße repariert werden muss, weiß man Bescheid.

Plan A sah vor, dass die Offenbacher Landstraße im April wieder eine ordentliche Straße ist. Pläne kann man ändern, das hat man von der DDR gelernt. Jetzt heißt es, die Straße wird im 2. Quartal fertig: 2018, 2019, … Warten wir es ab. Solange gibt es noch die täglichen Katastrophen mit der Linie 16 und ihrem SEV. Hinterher gibt es neue Katastrophen, dann ohne SEV, dafür mit der Straßenbahn.

OL 23 - Foto pixabay.com

OL 23 – Foto pixabay.com

Pfiffige Leute nennen die Baustelle inzwischen „OL 23“ in Anlehnung an ein bekanntes Bauprojekt in Stuttgart. Ich weiß nicht, ob es klug ist, eine Baustelle so zu nennen. Die Bauherren nehmen das möglicherweise wörtlich und lassen sich bis 2023 Zeit, um dann festzustellen, die Stromleitungen sind zu dünn, die Kurvenradien zu eng, der Asphalt zu löchrig, der Untergrund zu steinig, das Wetter zu warm oder kalt und der Brandschutz im Trafohaus nicht normgerecht. In Deutschland gibt es schließlich für alles eine Norm, oder zwei, oder drei, … Egal, irgendetwas findet sich immer, notfalls ruft man in Berlin-Schönefeld an.

Müsste ich nicht im Monatsabstand nach Oberrad fahren, wäre es mir völlig egal, ob OL23, OL 33 oder OL 73. Weil es aber so ist, dass ich dorthin muss, finde ich immer wieder Inspirationen für neue Texte. Hoffentlich trödeln die beim Straßereparieren noch eine Weile!