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Kürzlich machte ich mich auf den Weg ins Museum, ins MMK 1, auch Museum für moderne Kunst genannt. Derer gibt es in Frankfurt gleich drei. Numero eins ist der Chef davon, das älteste und größte. Besucht man das MMK, macht man nichts falsch, da gibt es immer Interessantes und Spannendes zu betrachten. Klar, moderne Kunst ist nicht jedermanns Sache, manchmal ist sie gewöhnungs- oder erklärungsbedürftig, andermal erschließen sich Sinn und Zweck erst auf den siebenten Blick oder nie. Doch das macht für mich den Reiz dieser Kunstform aus. Ich mag es, Neues zu entdecken, Rätsel zu lösen, eigene Interpretationen zu finden. Mittwochs hat der Laden bis um 20 Uhr geöffnet, man kann nach Feierabend völlig entspannt dorthin traben.

Ich trabe also los, nicht ins Museum, erst einmal zur Straßenbahn. „Es ist ja nicht die Linie 16!“, dachte ich. Mit der verbindet mich eine jahrelange Hassliebe. Diesmal nehme ich die 12. Nichts kann schiefgehen.

An der Haltestelle finde ich keinen Hinweis auf die Linie 12. Das ist verdächtig. Dann entdecke ich an der Anzeige einen Lauftext. Die 12 fährt heute von schräg gegenüber. Die Station Stresemannallee/Gartenstraße hat nämlich drei Haltepunkte. Je nach Strecke hält die Bahn mal hier oder dort oder da drüben. Diesmal also da drüben. Ein Glück, dass ich in die Stadt will, in der anderen Richtung ist SEV, Schienenersatzverkehr, da wird gebaut, da wechselt man die Schienen, links gegen rechts oder so. Ich marschiere über die Kreuzung: vorschriftsmäßig auf Grün für die Fußlatschers achtend.

Display am Fahrscheinautomaten

Display am Fahrscheinautomaten

Zuerst ziehe ich am Automaten einen Fahrschein. Da ich später wieder heimfahren werde, wähle ich die Tageskarte. Die ist billiger als zwei Einzelfahrscheine zusammen. Der Fahrscheinautomat mag meine Münzen nicht. Ist zickig, weigert sich, seinen Schlitz zu öffnen. Ein Blick aufs Display verrät, er nimmt nur 5 €-Scheine an. Ehe ich mein Portmonee gezückt habe, bricht das Monster den Vorgang ab. Also starte ich von vorn, schiebe meinen ersten Geldschein in den zweiten Schlitz. Ja, das Ding hat zwei davon, einer muss ja funktionieren, denkt der Mann davor. Wenn ein Mann denkt … Das muss ja schiefgehen. Der Automat ist garantiert eine Frau, eine Ticketausgabemaschine. Meinen zweiten Geldschein nimmt sie nicht, signalisiert „Nichts geht mehr“. Ist es Migräne? Auf ihrem Display sind sowohl die Symbole für die Münzen als auch für die Scheine durchgestrichen. Doch ich muss noch 35 ct löhnen, sonst bekomme ich keinen Fahrschein. „Abbrechen“ ist die einzig übrigbleibende Option. Zügig erbricht die Maschinenfrau meinen 5 €-Schein. Sie mag mich nicht.

Ich bin ein ehrlicher Mensch. Das ist manchmal doof. Vom Bürofenster direkt gegenüber dieser Haltestelle habe ich oft beobachtet, wie gierige Kontrolleure in die Bahnen einstiegen. Ich gehe zurück über die Kreuzung zu Haltepunkt Nummer eins und erwerbe komplikationslos ein Ticket. Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie eine 12 über die Straßenkreuzung in Richtung Friedensbrücke tuckert. In Gedanken grabe ich das Kriegsbeil aus und schleudere es dieser blöden Straßenbahn hinterher. Volltreffer! Doch das Ding zeigt sich unbeeindruckt. Zur Strafe überquere ich die Straße bei Rot. Das hat sie nun davon. Eine knappe Viertelstunde warte ich auf die nächste 12. Hätte ich heute doch lieber die 16 nehmen sollen? Die fährt zwar nicht zum Römer, aber von Oberrad oder Offenbach aus kann man mit dem Taxi weiterfahren.

Endlich bin ich am Römer angekommen. Zweihundert Meter weiter ist es schon, das MMK 1.

Müllberg

Müllberg

Was für eine Enttäuschung! Es gibt mehr Aufseher als Ausstellungsstücke zu sehen. Hinter jeder Ecke lauert mindestens ein Aufpasser, manchmal sogar zwei oder drei. Ist heute ein großer Kunstklau geplant, einer von dem sie Wind bekamen und ihn nun unbedingt verhindern müssen? Nein, der Coup ist schon passiert, die Hallen sind fast leer. Lediglich etwas Unrat liegt noch herum. Etliche Absperrgitter wurden wahrscheinlich von der Frankfurter Spusi vergessen.

So einem modernen Museum kann man alles, auch die verrücktesten Sachen zutrauen. Möglicherweise sind die vielen Aufseher selbst die Ausstellungsstücke, die große Installation „Museumswächter“ eines berühmten, völlig unbekannten Künstlers. Und nebenbei zeigt man die Ausstellung „Was sich so alles im Müll einer amerikanischen Großstadt findet“. Zerbeulte Getränkedosen, ein Sheriffstern, hässliche Plastikstühle, Gewehrmunition, dreckige Plastikplanen … sämtlicher Müll aus dem Hause Trump liegt da herum.

So schnell war ich bisher nie fertig mit diesem Museum. Wenigstens zahlte ich keinen Eintritt. Ich hätte mir ein Loch in den Bauch geärgert, ein Loch so groß, da könnte man eine Straßenbahn parken. Dank meiner Museumsufer-Card komme ich in alle Museen kostenlos rein.

Demnächst gehe ich ins Liebieghaus (Skulpturenmuseum). Da brauche ich keine Straßenbahn, da kann ich hinlaufen. Und im Liebiegcafé gibt es leckeren Kuchen!

Nein, Freunde werden wir nicht, die Linie 16, die Linie 12 und ich!

Medea

Medea

N.B.: Inzwischen war ich im Liebieghaus am Frankfurter Museumsufer. Die Ausstellung „Medeas Liebe“ ist wirklich sehenswert.

Der hl. Martin

Der hl. Martin

Und einen Abstecher in den Bereich „Mittelalter“ sowie der Aufstieg in den Rapunzelturm des alten Liebieghauses sollte man sich nicht entgehen lassen.