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On the Road

(c) pixabay.com

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Gespräch zweier Eheleute, irgendwann zwischen dem silbernen und goldenen Hochzeitsfest mitten auf der Autobahn in Richtung Urlaubsort.

Sie:   Rase doch nicht so. Wir haben genügend Zeit.

Er:     Jede Minute meines Urlaubs ist kostbar. Leg doch bitte mal eine CD ein. Die Radiomusik macht mich kirre. Dauernd bringen die Werbung.

Sie:   Was möchtest du hören?

Er:     Nimm gleich die oberste CD aus dem Handschuhfach.

Sie legt eine CD ein und lehnt sich auf den Beifahrersitz entspannt zurück. Zwei Urlaubswochen sind eine herrliche Aussicht.

Er:     Was ist das? Pfui Teufel!

Sie:   Die oberste CD: Helene Fi…

Er:     Mach das aus. So kann ich nicht fahren.

Sie:   Och, das ist doch so schöne Musik.

Er:     Ausmachen oder wir kehren um.

Sie:   Na gut. Und was möchte der Herr stattdessen hören?

Er:     etwas Ordentliches: Ärzte, Metallica oder so.

Sie:   Haben wir nicht.

Er:     Wieso?

Sie:   Bei solcher Musik fährst du immer so schnell und aggressiv. Da habe ich sicherheitshalber deine CDs rausgelegt und meine eingepackt.

Er:     Heißt das: Meine CDs liegen zu Hause?

Sie:   Ja, auf dem Schreibtisch, damit du sie findest und ordentlich wegräumen kannst.

Er:     Wie lange haben wir Urlaub?

Sie:   Zwei Wochen.

Er:     Keinen halben Tag, dann bin ich gestorben.

Sie:   Wird nicht so schlimm werden. Lies mal ein Buch. Und vielleicht gewöhnst du dich an meine Musik.

Er:     Niemals.

Sie:   Du hast es doch so toll gefunden, als ich neulich mit meiner Freundin bei Roland Kaiser war.

Er:     Da konnte ich in Ruhe den „Tatort“ schauen.

Sie:   Ich habe eine Hör-CD dabei.

Er:     Leg sie rein. Das ist besser als so ein Fisch-Gezwitscher.

Sie legt ihre neue Hör-CD ein und freut sich auf die Geschichte. Er dagegen ahnt nicht, was auf ihn zukommt.

Keine zehn Kilometer weiter, nach einem nicht ganz ungefährlichen Überholmanöver, das von ihr durch einen bösen Seitenblick und lautem Räuspern kommentiert wurde, ist er am Ende aller mentalen Kräfte.

Er:     Ich kann nicht mehr.

Sie:   Die nächste Raststätte ist nicht mehr weit. Da kannst du dich ausruhen. Anschließend wechseln wir die Plätze. Ich setze mich gerne eine Weile ans Steuer. Vielleicht musst du ja auf die Toilette?

Er:     Nein, ich brauche weder Pause noch Toilette.

Sie:   Aber ich. Bitte gib Gas. Es ist dringend.

Er:     Wie immer.

Sie:   Doofi!

Er:     Leg bitte Helene Fischer ein. Vielleicht fahre ich dann besonnener. Deine Helene ist nur halb so schnulzig wie diese Hör-CD. Dagegen ist Rosamunde Pilscher ein echter Horror-Thriller.

Sie:   Weder Helene Fischer noch mein Hörbuch sind schmalzig. Das ist Weltliteratur. Die Autorin wurde beinahe für den Literaturnobelpreis nominiert. Gib bitte Gas, ich muss mal. Aber fahr vorsichtig!

Sie wechselt die CDs. Nach 10 Minuten erscheint das erste Hinweisschild auf die Raststätte.

Sie:   Bremsen, da kommt ein Rasthof.

Er:     Sind noch fünf Kilometer.

Sie:   Ich meine ja nur, dass du nicht vergisst abzufahren.

Er:     Vergess ich nicht.

Sie:   Neulich hast du verschlafen, wo es langgeht, und bist einen totalen Umweg gefahren.

Er:     Ja, weil da eine Baustelle war, vor der stets ein langer Stau ist. Das war Absicht.

Sie:   Das kann man hinterher immer sagen. So hier ist die Abfahrt. Aber stell dich nicht ganz hinten hin. Ich kann nicht mehr so weit laufen.

Er:     Ich halte direkt neben dem Haupteingang. Wenn du ausgestiegen bist, suche ich einen Parkplatz.

Sie:   Gute Idee!

Er:     Während du bei den Damen anstehst, geh ich mal gucken, ob es ordentliche Musik zu kaufen gibt.

Sie:   Ja, prima. Schau bitte, ob sie die neue CD von Andreas Gabalier haben.

Er:     Ich brauche jetzt einen starken Kaffee!

Sie:   Warte bis ich zurück bin. Dann kannst du den Pinkelbon gleich einlösen. Und in meiner Handtasche habe ich bestimmt auch noch ein paar.

Er:     Hoffentlich findest du sie auch! Bestimmt sind die längst abgelaufen.

Das hat sie nicht mehr gehört. Sie flitzt längst davon. Eine Weile später sitzen sie im Restaurant. Er genießt seinen Kaffee, sie freut sich auf die bunte Illustrierte. Bestimmt wurde bei Königs wieder geheiratet, geschieden, gestritten oder ein Dutzend Kinder gezeugt. Etwas zu trinken, riskiert sie nicht. Sie möchte nicht, dass sie an jeder Raststätte abbiegen müssen.

CDs waren leider nicht im Angebot.

N.B.: Wie viele Klischees wurden in diesem Text bedient?