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(c) pixabay.com

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Die Geschichte „Gartentraum“ vom 11. April 2020 gab uns viele Rätsel auf. Hier folgt nun die Auflösung.

Was bisher geschah

Rita und Walter führen eine weitgehend harmonische Ehe. Bis an den Tag, als Rita mitbekommt, Walter geht mit seiner Chefin, Frau Isler, seit zwei Jahren fremd. Sie beschließt, ihn rauszuschmeißen, achtkantig. Rita hat einen Plan. Notgedrungen zieht Walter in die Laube des Gartens seiner Mutter. Wochen später brennt dieses Häuschen ab, Walter ist tot. Allerdings starb er lange zuvor an einer Vergiftung durch Kohlenmonoxid. Die Gasheizung im Gartenhäuschen war manipuliert.

Die Polizei ermittelt in diesem Fall akribisch. Schließlich können die Akten geschlossen und der Staatsanwaltschaft übergeben werden. Der Polizeipräsident berichtet der wartenden Meute von Journalisten auf einer Pressekonferenz ausführlich. Gibt es Täter und Motiv? Wird es zu einer Anklage kommen?

Polizeibericht

Es gibt mehrere mögliche Ausgänge für diesen Fall. Der Leser möge sich je nach Lust und Laune, persönlichen Vorlieben, nach eigenem Gusto eine der folgenden Varianten aussuchen. Jedem sein individuelles Happyend. „Happy“ aus Ritas Sicht, „end“ aus der von Walter. Allerdings in Version vier ist auch Rita nicht lange happy.

  1. Mord ist Rita nicht nachzuweisen. Es war Suizid. Der Brief mit der Ankündigung des Selbstmords ist ein zusätzliches Indiz für diese Theorie. Rita ist Alleinerbin, bekommt Haus, Garten, Barschaft, einfach alles. Sie geniest fortan ihr Leben.
  2. Es war wohl ein Unfall. Walter hat das Loch selbst abgedichtet, damit es nicht so zieht. Als es draußen richtig kalt wurde, schaltete er die Gasheizung ein. Das wenigstens ist die Meinung der Polizei. Auch in diesem Fall bekommt Rita alles.
  3. Der Fall bleibt unklar. Im Garten wird ein Einkaufszettel gefunden, dessen Schrift eindeutig Frau Isler zuzuordnen ist. Sie gesteht in längerem Verhör, dass sie sich rächen wollte, weil er ihre Beziehung urplötzlich beendete, statt sich, wie versprochen, von seiner Frau zu trennen. Tatwaffe war ihr großes Brotmesser. Sie wollte sich grausam rächen, ihn betören, zum Sex überreden, was ihr nicht schwergefallen wäre. Im Moment seines höchsten Glücks wollte sie einen zielgerichteten Schnitt, nicht durch die Kehle, vollführen, ihn leiden, jammern, schreien sehen und erst später richtig zustechen, mitten ins Herz. Auch er hat ihr Herz tief verletzt. Das Messer kam nicht zum Einsatz, weil Walter zu diesem Zeitpunkt bereits tot war. Um nicht unter Mordverdacht zu geraten, schlich sie davon, rief später Rita an, spielte die Ahnungslose. Die Polizei schwankt in ihrer Einschätzung der Todesursache von Walter zwischen Unfall und Suizid. Rita hat für den Rest ihres Lebens ausgesorgt.
  4. Nach längerem Verhör und Verweis auf den Liebesbrief, auf dessen Umschlag zu lesen ist „Untreue Männer sterben früher“, gesteht Rita, wenige Tage nach dem Rausschmiss von Walter, die Luftzufuhr der Gasheizung mit Knüllpapier präpariert und die Batterien aus dem Rauchmelder entfernt zu haben. Es war Mord. Rita wohnt nun in einem kleinen Raum mit Eisentür und vergittertem Fenster, bekommt täglich drei Mahlzeiten serviert und darf nachmittags einen einstündigen Spaziergang unternehmen. Sie verzichtet zugunsten von Walters Geschwistern aufs Erbe, finanziert mit ihrem Geld einen angeblich guten Anwalt.
  5. Rita kann kein Verschulden nachgewiesen werden. Allerdings hat der Nachbar, welcher dem nackten Walter dazumal mit seinem Telefon aushalf, zwei Tage zuvor seine Frau aus Walters Laube schleichen sehen. Sie gestand den Verlust ihres Höschens, ein lustvolles tête-à-tête, leugnete jedoch, Walter wiederholt besucht zu haben. Der Nachbar war wütend. Als Elektriker war es für ihn kein Problem, die Duschkabine so zu manipulieren, dass sie unter Strom stehen würde, wenn der Wasserhahn aufgedreht wird. Da kurz darauf nichts mehr von Walter zu hören und sehen war, nahm er an, sein Vorsatz hätte funktioniert.
    Wer die Gasheizung manipulierte, lässt sich nicht zweifelsfrei feststellen. Möglicherweise war es ein jugendliches Pärchen, das sich vor Jahren hier heimlich eingenistet hatte, Party feierte und die Verträglichkeit sowie Wirkung verschiedener Drogen testete. Selbiger Nachbar, der die elektrische Anlage in der Dusche manipulierte, vertrieb damals dieses Liebespaar.
    Rita steht dank Erbschaft auf der Sonnenseite des Lebens.
  6. Arno, der Lebenspartner von Frau Isler, solidarisiert sich zum Schein mit Walter. Abend für Abend sitzen sie bei Bier und dem einen oder anderen Schnaps zusammen und klagen sich gegenseitig ihr Leid über Essi, Frau Esmeralda Isler. Tatsächlich fühlt sich Arno von seiner Esmeralda wegen ihres ewigen Verhältnisses mit Walter vernachlässigt und plant, sich bei Walter zu rächen. Der hat sie schließlich beschäftigt, so dass sie sich nicht genügend um Arno kümmern konnte. Als Walter berauscht auf seiner Bettstatt liegt, dreht er den Gashahn vom Herd auf und verlässt den Tatort. Allerdings verhindert das Bimetall im Sicherheitsventil der Gaszuführung des Gasherdes das Ausströmen des Gases. Wochen später setzt er die Hütte mit dem toten Bewohner in Brand. Ihm kamen Zweifel, ob er irgendwelche Spuren hinterlassen hätte, die ihn überführen könnten. Verraten haben ihn diverse Nachrichten auf Walters Anrufbeantworter und in seiner Mailbox.
    Rita ist fein raus. Arno hat ihr alles abgenommen, ist nun für Jahrzehnte weg vom Fenster und sie ist bis an ihr Ende alle Sorgen los.

Ritas Plan

Erst einmal sollte Walter ordentlich leiden, in der dünnwandigen, zugigen Gartenlaube frieren, sich langweilen, der langjährigen Ehe nachtrauern, seine Fehltritte kräftig bereuen. Lange grübelte Rita, wie sie Walter den Betrug heimzahlen könne. Dann hatte sie die Idee mit der altertümlichen Gasheizung. An einem trüben Vormittag, Walter war im Büro, schlich sie sich in seine Unterkunft, knüllte Zeitungspapier in den Luftzug der Heizung und entfernte die Batterien des einzigen Rauchmelders. Das hätte sie sich sparen können, nach vielen Jahren Leben im Signalgeber, waren sie saft- und kraftlos. „Sicher ist sicher“, dachte Rita und steckte die Batterien in die Tasche. Am selben Tag kam Walters „Notruf“ und sie brachte ihm den Zweitschlüssel. Da hat sie aber Glück gehabt. Vielleicht schon an diesem Abend schaltete Walter die Heizkörper ein, nachdem er zuvor zur inneren Erwärmung nach seinem Nacktausflug den großen Rest aus der Whiskyflasche leerte. Rita hatte Glück, niemand beobachtete sie. Das Handy lag zu Hause, die Handydaten konnten sie im Nachhinein nicht verraten, Mantel, Hut, Schuhe und Gummihandschuhe entsorgte Rita am Nachmittag desselben Tages zusammen mit anderem Kram im Wertstoffhof der Stadt.

Die polizeilichen Ermittlungen

Die Polizei hielt die altertümliche Verkabelung in der Hütte oder die Heizlüfter als Brandursache für plausibel. Damit hat sie recht, denn Arno vergoss den Inhalt einer Spiritusflasche über einen der Lüfter. Nur mit Mühe gelang ihm die Flucht aus dem brennenden Häuschen.

Überführt wurde Rita lediglich in der vierten Schlussvariante der Geschichte durch eine Eingebung des Vernehmers. Dem kam ihre Notiz auf dem Brief von Walter merkwürdig vor. Den bewahrte Walter in einer Kassette im Werkzeugschuppen auf, der Dank des Einsatzes der Feuerwehr halbwegs unversehrt blieb. Der Vernehmer erkundigte sich ganz nebenbei, was es damit auf sich hätte. Rita erschrak, hatte keine plausible Erklärung und verstrickte sich in Widersprüche, die letztendlich zu ihrem Tatgeständnis führten.

Rita hätte sich die Sabotage der Gasheizung in der Gartenhütte sparen können. Schließlich hatte der Nachbar mit der Manipulation der elektrischen Anlage in der Duschkabine gute Arbeit geleistet, die sicher kurzfristig Walters Ableben herbeigeführt hätte. Statt ihrer würde nun besagter Gartennachbar gesiebte Luft schnuppern.

In den anderen Varianten für den Schluss der Geschichte hatte sie einfach Dusel.


Zur Erinnerung: Die Geschichte „Gartentraum“ ist hier zu finden.