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(c) pixabay.com

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Sie war kaum zu beschreiben, die Dramatik in den letzten Sekunden. Es blieben wenig Zeit, viele Probleme.

Es war reine Nervensache und es wurde ein Coup mit Nebenwirkungen, damals vor neun Monaten mitten in der Nacht. Es sollte werden wie beim One-Night-Stand, rein, raus, rein raus, rein, die Kunst der Fuge frönen, Kaiserwalzer tanzen, raus und weg. Allerdings, aus der einen Nacht wurden viele. Er hatte sie nicht gezählt und ein Ende war nicht abzusehen. Das eine um das andere Mal betete er, „Gott steh mir bei, wenn du mir nicht hilfst … Ja, verdammt, ich glaube an Wunder. Lass eins geschehen!“ Magie hatte sie nicht im Angebot. Er war ihr ausgeliefert, dieser Frau.

Dabei war gar nichts passiert, nur dieser Kollateralschaden. Er blickte der Frau ins Antlitz, so wolle er sagen, „Entschuldigung, kennen wir uns?“ Jetzt kannte er sie. Dieser Tag war die Poesie des Scheiterns. Er hatte es nicht gewollt, es war nicht geplant, jedenfalls nicht so.

Er stand hier, ihm war übel, der Kopf, der Bauch, die Knie butterweich. Er hätte schreien können. Sie schrie nicht. Sie war die personifizierte Ruhe, die Richterin am Landgericht.

„Bitte erheben sie sich von den Plätzen … Im Namen des Volkes …“ Wenig später kannte er seine Zukunftspläne, dreieinhalb Jahre, wenn man die gute Führung einrechnete. Ansonsten fünf Jahre, drei Monate.

Statt Kunstraub im Instrumentenmuseum, Brandstiftung. Beim Aufschweißen der Stahltür musste ein Funke übergesprungen sein. Seelenruhig stopfte er die ältesten Violinen in seinen Rucksack. Den Caddy vor der Tür wollte er vollladen mit Stradivari und Co. Bis es brenzlich roch, bis die Rauchmelder einen unsäglichen Lärm veranstalteten. Fast wäre der Laden völlig abgebrannt. Statt heimlich und leise, schrie er wie ein Verrückter. Sie retteten ihn aus dem brennenden Haus, mit der Feuerleiter aus der obersten Etage und brachten ihn in den Knast. Hier hatte ein Tag 48 Stunden oder mehr, je nachdem, in welcher Verfassung man sich befand. Alle Tage glichen sich, nur Hoffnung und Leiden, mehr Leiden.

Das Urteil war nur eine Verlängerung des Leidens. Er lernte sie jetzt kennen, die Komplexität der Einsamkeit in der JVA.


Dieser Text entstand im April 2021“.

Die Schreibaufgabe lautete:

Verwende die folgenden Zeitungsüberschiften, möglichst in der vorgegebenen Reihenfolge in deinem Text:

One-Night-Stand

Dramatik in den letzten Sekunden
Wenig Zeit, viele Probleme
Reine Nervensache
Coup mit Nebenwirkungen
Ich glaube an Wunder
Entschuldigung, kennen wir uns?
Die Poesie des Scheiterns
Nur eine Verlängerung des Leidens
Die Komplexität der Einsamkeit