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(c) pixabay.com

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Es riecht streng. Heribert hat gekocht. Heribert neigt zu Übertreibungen, mal sind es die Gewürze, dann die Menge, diesmal war es die Temperatur. Das Öl war wohl ein wenig zu heiß. Die Pfannkuchen wurden schneller schwarz, als Heribert erwartet hatte. Vor allem, weil er zwischendurch mal aufs Klo rennen musste. Das Bier gegen den Vordurst war wohl zu fix durchgelaufen. Oder war es der Frühstückskaffee, Kaffee mit Ladehemmung? Jedenfalls ist die Küche verqualmt und die Pfannkuchen sind schwarz wie die Nacht, eine Neumondnacht. So ähnlich wie neulich die Bratkartoffeln. Da war er nicht aufs Klo gerannt, da hatte Manne angerufen. Das kann dauern, das hat gedauert. Manne redet immer wie ein Buch, ist nicht zu bremsen, schlimmer als Elvira, noch schlimmer, unvorstellbar, aber es ist so. Die Pfannkuchen sind schwarz, von unten, oben scheint es gerade noch zu gehen. Schnell umdrehen, Fenster auf, Durchzug, Elvira kommt, schleicht sich an wie ein Drogenspürhund, immer dem Geruch nach. Hoffentlich sieht sie nicht gleich, was passiert ist. Sie braucht es nicht zu sehen, sie riecht es.

„Schmeiß sie weg!“, sind ihre mutmachenden Worte. „Die isst sowieso niemand, versuch es noch einmal.“ Danke Elvira, toller Tipp. Das denkt er nur, sicherheitshalber.

So war es letzte Woche. Sieben Tage genügen vollauf und die ganze Welt weiß Bescheid. „Heribert stellt sich beim Kochen an wie ein Urmensch!“ Dabei kann er kochen, hat sogar schon einmal Schnitzel mit Pommes und grünem Salat hinbekommen. Na gut, Elvira hatte geholfen. Aber er hat die Kartoffeln geschält, den Salat geputzt und hinterher das Geschirr abgewaschen, ohne dass etwas zu Bruch ging.

Heute muss Heribert nicht kochen. Heute ist er das Geburtstagskind, heute kommen Gäste, die ganze Bagage, Schwiegermutter und Co. inklusive. Heribert hasst Geburtstage, eigene am meisten. Na, wenigstens gibt es Geschenke. Kleiner Trost, er könnte drauf verzichten.

„Wow! Was für ein Riesenpaket!“, staunt Heribert und Schwiegermutter hievt es keuchend auf den Tisch. Ein Paket in buntem Geschenkpapier, kitschig, und breitem knallroten Band drumherum nebst riesiger Schleife. Schwiegermutters Hobby ist es, Pakete einzupacken, grellbunt. Heribert schwant Schlimmes. Wenn Schwiegermutter so guckt, wie sie guckt, kann es nichts Gutes bedeuten. Er kennt das von Elvira, die guckt genauso. Sind sicher die Gene, furchtbare Gene. Hoffentlich haben Luise und Tim die nicht abgekriegt. Tim wird das kompensieren, hat schließlich genug von Heriberts Erbgut. Das merkt man auf dem Klettergerüst, da ist er der Meister aller Klassen. Aber Luise, die ist mit knapp drei Jahren eine Kopie der Mutter. Oder der Schwiegermutter. Das wird noch lustig, spätestens in der Pubertät.

Und Blumen hat Schwiegermutter mitgebracht. Die überreicht Schwiegervater. Mit einem Lächeln im Gesicht, einem Lächeln, das nur Männer verstehen. Da braucht es keine Worte. Die wären nur Zündstoff für die Gattinnen. Elvira rennt sofort wie eine Besengte durch die Wohnung, sucht die große Bodenvase, weiß noch nicht, dass die neulich in tausend Stücke zersprang, als Heribert die Zimmer gesaugt hat.

„Na, pack es endlich aus!“, ruft sie Heribert im Vorbeigehen zu, scheint zu wissen, was ihn erwartet. Der kämpft, kämpft mit der roten Schleife, mit diesem Knoten, einem Knoten, wie ihn nur Schwiegermutter binden kann. Eine Schere wäre die Lösung des Problems, die Lösung des Knotens oder das große Brotmesser. Schere und Brotmesser sind verpönt. In dieser Familie werden Geschenke ordentlich verpackt und ehrfürchtig ausgepackt. Schließlich kann man Band und Papier noch einmal verwenden.

„Hilf mal“, fleht, bittet, fordert Heribert und schaut Schwiegermutter sehnsüchtig an. Fünf Minuten später kommt Elvira mit dem Brotmesser, Schwiegermutter erlösen, jedenfalls das Band durchzuschneiden.

Heribert wickelt das Geschenkpapier vorsichtig ab, faltet es gewissenhaft zusammen, legt es bereit für den Stapel mit der Bügelwäsche und blinzelt zwischendurch auf den großen Pappkarton, der vor ihm steht und gleich sein Geschenk preisgeben wird.

„Ein Staubsauger, einer von Vorwerk, bestimmt nicht billig“, stellt er fest. „Was soll ich damit? Wir haben einen Sauger, einen von …, ach, was weiß ich, der läuft wie geschmiert. Oder ist das ein Saugroboter? Klasse! Nie wieder Staubsaugen!“

So eine Verpackung ist nicht leicht zu öffnen. Endlich. Geschafft. Sieht komisch aus, der Roboter.

„Wo sind die Düsen? Wo die Borsten? Die Ladestation? Wieso hat der ein Netzkabel?“ Heribert schaut etwas irritiert.

„Na, freust du dich? Endlich brennen deine Pfannkuchen nicht mehr an“, frohlockt Elvira.

„Pfannkuchen mit dem Staubsauger?“

„Staubsauger? … Thermomix!“

* * *

Drei Wochen später erwacht Heribert aus dem Koma. Der Schock mit dem Kochautomaten hat ihn umgehauen. Das Grinsen, der Freudenschrei der Schwiegermutter, Elviras Lachsalve, das alles war zu viel für ihn, vor allem an solch einem Tag, seinem Geburtstag, auf nüchternen Magen, die drei Tassen Kaffee und zwei Schnäpse am Morgen nicht eingerechnet.

Er blickt in die Augen mehrerer Pfleger und dreier Ärzte. Atmet kräftig durch, so gut es mit den vielen Schläuchen und Kabeln in Nase, Mund und Armen geht. Völlig benommen und entkräftet bittet er um ein Telefon, ruft Manne an. Der ist Anwalt, der kennt sich aus, der hilft garantiert. Heribert ordert die Scheidung von seiner Schwiegermutter.

„Geht nicht, da musst du dich von deiner Frau scheiden lassen.“

„Nee, lieber nicht. Dann spricht Elvira drei Wochen lang nicht mit mir und ich muss mein Essen selbst kochen.“

„Du hast doch einen Thermomix.“

„Okay, Scheidung!“