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(c) pixabay.com

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Weiter geht es mit der Geschichte. Gestartet ist sie am 29. Dezember 2021. Teil 2 erschien am 01. Januar 2022.

Frühjahrsputz ist angesagt. Und da wird die kleine Spinne Jonas von der Menschenfrau entdeckt. Werden alle Beteiligten überleben?


„So ein Unfug!“, dachte Jonas Spinnenkind, „Damit richten sie mehr Schaden an, als das es nützt.“ Und dann sah er die Augen dieses Zweibeiners. Und der Zweibeiner, ein Weibchen, sah ihn. Jonas erinnerte sich daran, was Mutter ihn gelehrt hatte.

„Schau ihr tief in die Augen. Dann mach dich groß, so groß es geht, dreh dich um und zeige ihr dein nacktes Hinterteil. Davon bekommt sie einen Schreianfall und geht auf Sicherheitsabstand. Du hast Zeit gewonnen, dich aus dem Gefahrenbereich zu bringen, in Sicherheit vor ihren Waffen, den Waffen einer Frau, einer zweibeinigen Frau, der Fernsehzeitung, dem Saunahandtuch oder einem gefräßigen Staubsauger, einem Staubsauger, den die Zweibeiner nur erfunden haben, um gegen uns Spinnen in den Krieg zu ziehen.“ Sicherheitshalber hielt sich Jonas Spinnenkind die Ohren zu. Und er tat genau das, was Mutter gesagt hatte. Der Schrei ließ die Fensterscheiben klirren, die Gläser hinter der staubigen Scheibe der Vitrine zittern und die Gardine vor dem Fenster schwingen. Auch der Kronleuchter kam ins Wanken, drohte die Dübel aus der bröseligen Zimmerdecke zu reißen.

Mit letzter, mit allerletzter Kraft ließ Jonas Spinnenkind einen fahren, einen, so groß, laut und stinkend wie nie zuvor im Leben. Dabei lösten sich kleine Kügelchen aus seinem Verdauungstrakt und flogen wie mit einem Maschinengewehr abgeschossen genau auf die Hausfrau zu. Volltreffer! Sie kippte aus den Latschen. Kein Wunder, sie stand nur auf zwei Beinen. Da ist Gleichgewichthalten kompliziert, besonders in solch aufregenden Situationen. Dabei riss sie mit dem Stromkabel ihres Staubsaugers die große Bodenvase um. Klirrend zersprang diese in tausend Scherben und ergoss ihren sämigen Inhalt über das Saugmonster. Dem schien das nicht zu gefallen, es verstummte augenblicklich.

„Och nee!“, war Jonas Menschenkind aus dem Kinderzimmer zu vernehmen. Der Fernseher war genau in dem Moment ausgegangen, als der Prinz, der soeben vom bösen Zauber erlösten Prinzessin einen Kuss geben wollte.

„Himmel, Arsch und Zwirn!“ Jonas Menschenkinds Vater war dabei, das neue Schuhregal für seine Frau, besser gesagt für ihre Treter, zusammenzuschrauben, als das Licht ausging. Es war zappenduster im ganzen Haus. Wasser, sämiges Wasser und ein Elektrogerät, insbesondere ein mörderischer Staubsauger vertrugen sich nicht und ließen alle Sicherungen durchknallen.

Komischerweise war vom Weibchen kein Laut zu hören. Es lag auf dem Teppich mitten in der Pfütze übelriechenden Blumenwassers. War es ohnmächtig, war es gar tot, mausetot? Nein, es hatte einen Schock bekommen, einen der so mächtig war, dass sich das Kreischen in seinem Hals eingeklemmt hatte. Nun, da es wieder klare Gedanken fassen konnte, sofort eine gemeine Kriegslist entwickelte, wollte es das obligatorische Kriegsgeschrei nicht fortsetzen und damit die Bestie von Spinnentier vor seinem Sturmangriff warnen.

„Attacke!“, dachte es.

Zu spät. Jonas Spinnentier war längst unterwegs nach draußen, dort wo noch fettere Mücken und Fliegen herumschwirrten, dorthin, wo er hoffte, in Kürze eine Spinnenfrau zu finden, um mit ihr Spinnenkinder zu bekommen. Es kann auf dieser Welt nicht genug Spinnen geben, Spinnen für den Kampf gegen diese gefährlichen Zweibeiner.