Emma hat nicht überlebt

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Ich habe sie erwischt. Sie hat nicht überlebt.

Sie saß da, hat gegrinst, fies gegrinst, so als wolle sie sagen: „Mich kriegst du nie!“ Schon seit Tagen ärgert sie mich. Ich habe sie gewarnt, es half nichts. Sie ignorierte mich einfach. Nein, ignoriert hat sie mich nicht, sie hat es immer wieder drauf ankommen lassen, mich provoziert, ununterbrochen. „Schau‘n wir mal, wer mehr Ausdauer hat.“ Sie hat mich gereizt, vorgestern, gestern, heute, in einer Tour. „Jetzt reicht’s!“ Weiterlesen

One-Night-Stand

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Sie war kaum zu beschreiben, die Dramatik in den letzten Sekunden. Es blieben wenig Zeit, viele Probleme.

Es war reine Nervensache und es wurde ein Coup mit Nebenwirkungen, damals vor neun Monaten mitten in der Nacht. Es sollte werden wie beim One-Night-Stand, rein, raus, rein raus, rein, die Kunst der Fuge frönen, Kaiserwalzer tanzen, raus und weg. Allerdings, aus der einen Nacht wurden viele. Er hatte sie nicht gezählt und ein Ende war nicht abzusehen. Weiterlesen

Aufbruch ins Ungewisse #2

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Eines Tages als sie von der Arbeit heimkam, fischte sie einen rosaroten Brief aus dem Briefkasten. Er war von Felix, auf seiner alten Schreibmaschine geschrieben, die seit Jahren in seinem Arbeitszimmer stand. Felix benutzte sie selten, in speziellen Fällen. Magdalena merkte schnell, das war ein ganz besonderer Fall. Felix machte ihr einen Heiratsantrag. Mit dem Brief in der Hand und Tränen in den Augen stieg sie die Treppe zu ihrer Wohnung hoch. „Habe ich immer Männer mit Faible für originelle Schriften?“ Es schien so. Carlo mit seiner Liebe zu Federhaltern und Schnörkelschrift und nun Felix mit einer uralten Schreibmaschine mit Wackel-E. „Ach ja, mein erster, damals in der Oberschule.“ Der hatte nicht nur eine Sauklaue. Seine Rechtschreibschwäche pflegte er wie eine Religion. „Wie hieß der? Ach, war der süß und ich, verknallt wie … Kann man mit Worten nicht beschreiben.“

So endete Teil 1 der Geschichte. Und nun geht es weiter.


Magdalena schloss die Wohnungstür auf und wurde von einem strahlenden Felix begrüßt. Er reichte ihr einen riesigen Rosenstrauß, küsste sie, machte eine Liebeserklärung nach der anderen. Magdalena war hin und hergerissen. Sie war doch noch mit Carlo verheiratet. Liebte sie den? Sicher nicht, sie hatte mit dem Fall „Carlo“ abgeschlossen. Das glaubte sie zumindest. Ihr war klar, es war sinnlos, auf Carlo zu warten. Mit Felix war alles gut, sie waren glücklich. Früher, als sie jung war, hätte Felix nicht die geringste Chance bei ihr gehabt. Heute sah es ganz anders aus. Kein Pragmatismus, um nicht allein zu sein, es war Liebe. Konnte man einen Mann lieben und in Gedanken bei einem anderen sein? Plötzlich klebte Carlos Name wie ein ausgelutschter Kaugummi in ihrem Kopf. Magdalena sagt „Ja!“ zu Felix‘ Antrag, ehrlichen Herzens. Weiterlesen

Aufbruch ins Ungewisse #1

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Carlo war weg, spurlos verschwunden. Kein Abschiedsbrief, ein Zettel auf dem Küchentisch. „Ich komme wieder, irgendwann. Warte nicht!“, schrieb er mit seinem uralten Federhalter. Verschnörkelte, geschwungene Linien, altmodisch, chic. Carlo liebte alte Schriften, Füller, farbige Tinten. Dieser Zettel war das Einzige, was auf sein Verschwinden hinwies. Außer den Kleidungsstücken, die er heute früh anzog, fehlte nichts. Brieftasche, Portmonee natürlich, keine großen Beträge. Magdalena konnte nicht einmal sagen, was er trug, als er verschwand. Ja, seine alte Wolljacke, die ausgelatschten Treter, die er immer anzog, die sie so hasste, seine Stoffmütze, mehr Hinweise konnte sie der Polizeibeamtin nicht geben, als sie nach Tagen eine Vermisstenanzeige erstattete.

„Irgendwann“, schrieb er. Wann war „Irgendwann“? In ein paar Tagen, Wochen, Monaten, Jahren, … Wenn ihm etwas zustieß, ein Unfall, ein Verbrechen, eine Krankheit, … Magdalena machte sich Sorgen. Sie liebte Carlo. Ja, sie hatten gestritten. Geschlagen hat er sie nie, auch wenn sie ihm so manches Mal ansah, dass ihm danach zumute war. Und hinterher, die Versöhnung, bei Kerzenschein, mit Wein und romantischer Musik. Und was dann kam, das besänftigte sie stets, beide. Es war so schön. Stritten sie manchmal allein deswegen? Weiterlesen

Espresso to go

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Heribert ist ein Musterknabe, so wie es sich die Regierung wünscht. Sagt sie, „Abstand halten“ und „Home-Office“ und „Mund-Nasen-Schutz“ und „zu Hause bleiben“ und „Die Inzidenz ist zu hoch“, dann spurt Heribert artig.

Sechs Wochen Home-Office, das sind sechs Wochen Tiefkühlkost, Dosensuppe und Pizzaservice. Früher hat seine Frau gekocht, seit ihrem Toskana-Urlaub gern italienisch angehaucht. Anfang letztes Jahr hat sie ihn rausgeschmissen. Einmal in der Woche flitzt er zum Bäcker und Supermarkt. Das ist sein Leben, nervenzerfetzend wie die 13. Wiederholung vom „Tatort“. Weiterlesen