Die sieben Zwerge 2.0

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Zwerg - (c) pixabay.com

Zwerg – (c) pixabay.com

Es war einmal, vor langer, langer Zeit in einem dunklen Wald hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen … So beginnt die Geschichte von Schneewittchen und ihren sieben Gesellen. Das Mädel verdreht den Winzlingen der Reihe nach den Kopf und zieht mit einem Prinzen, der ganze 17 cm größer ist als sie, davon.

Von diesem Schock erholen sich die sieben Zwerge nie. Sie vernachlässigen die Arbeit in ihrem Bergwerk, widmen sich dagegen dem Brauen und Trinken von Bier, kümmern sich weder um Haus, Hof noch Garten. Ein leckeres Gemüsesüppchen, vegan, wie es schon dazumal im Märchenland Sitte war, kommt selten auf den Tisch. Stattdessen schieben sie Tiefkühlpizzen in die Mikrowelle oder rühren eine Fünfminutenterrine an, getreu dem Motto „Alle fünf Minuten verliebt sich ein Zwerg in eine Terrine“.

Sie streiten sich häufig. Einer macht den anderen für Schneewittchens amouröses Abenteuer mit dem Prinzen verantwortlich.

„Du hast nicht aufgepasst.“

„Du hast dich nicht genügend um sie gekümmert.“

„Du hast ihr Schälchen mit dem Vanillepudding stibitzt.“

„Du … Du … Du …“, so geht es von früh bis spät.

Nach einiger Zeit verlässt einer nach dem anderen das Haus, welches im Laufe der Jahre fast vollständig mit dornigem Gestrüpp überwuchert.

Jahrhunderte später, die Erfindung des Internets ist längst am Horizont der Zeit zu erkennen, reitet ein junger Königssohn, tausendmal schöner als dazumal der Prinz, auf einem wundervollen Ross durch den Wald. Er sucht die Hütte der sieben Zwerge. Seine Ururur…großmutter hatte ihre Geschichte seiner Urur…großmutter erzählt. Es war die Geschichte von Schneewittchen, den sieben Zwergen und dem Prinzen, ohne die Untaten der bösen Königin und den Heldenmut des Jägers unerwähnt zu lassen. Und so wabert diese Familiengeschichte von Generation zu Generation um Jahrhunderte später bei dem schönen Königssohn zu landen. Er ward neugierig und fragt sich das eine um das andere Mal, was wohl aus den sieben Zwergen geworden ist. Sie hatten keine Frauen, zumindest nach Schneewittchen Weggang. Sieben Männer in einer WG, das kann nicht gutgehen, vor allem nachdem die Frau, welche ihnen den Kopf verdrehte, verschwand. Suchten sie sich nette Zwerginnen, zeugten Zwergenkinder und leben noch heute in ihrer Hütte im dunklen Wald hinter den sieben Bergen? Wenn das so ist, würde er sie finden.

Tagelang reitet er durch den Wald, der noch heute ein dunkles und tiefes Funkloch ist. Er sucht und sucht, doch er findet nichts. Die Vorräte neigen sich dem Ende zu. Wenigstens gibt es kühles Quellwasser zum Trinken und Gras fürs Pferd. Erschöpft und traurig resümiert er:

„Ich finde die Zwerge nicht.“ Am nächsten Morgen, ausgehungert, völlig kraftlos und verzweifelt setzt er sich auf einen großen Stein. Er schaut seinem Pferd beim Fressen zu und beschließt, sitzen zu bleiben, für immer und ewig, zumindest solange die Kräfte dazu reichen.

„Lauf“, sagt er zu seinem Ross, „Such dir einen Platz für ein schönes Pferdeleben.“ Es schaut ihn an, kommt langsam und mit gesenktem Pferdehaupt zu ihm und reibt den Kopf sachte an dem des Königssohns.

Wieder vergehen drei Tage. Der Königssohn wird von Stund zu Stund schwächer. Schließlich schläft er ein und rutscht langsam von seinem Stein ins weiche Gras.

„Bin ich im Himmel angekommen?“, fragt sich der Königssohn und schlägt die Augen auf. Es ist hell, die Sonne steht im Zenit. Er wird getragen, das spürt er deutlich. Die Trage schaukelt im Takt von Schritten, kleinen Schritten. Gesang, trauriger Gesang ist zu vernehmen. Ruhe tritt ein. Die Prozession verharrt. Die Trage wird abgesetzt. Sechszehn Augen schauen zu ihm herab. Sieben greise Gestalten, klein wie Zwerge, bärtig, mit runzeliger Haut und mit Tränen auf den Wangen und das Ross des Königssohns stehen um ihn herum.

„Er ist wach“, sagt der Erste.

„Die Medizin hat gewirkt“, entgegnet der Zweite.

„Quatsch, unser furchterregender Gesang hat ihn aufgeweckt“, meint der Dritte.

„Oder seine Müdigkeit ist einfach verflogen“, mutmaßt der Vierte.

„Der ist ein echter Kerl, einer der nicht aufgibt“, erklärt der Fünfte.

„Den kennen wir!“, bemerkt Numero sechs erstaunt.

„Es ist der Königssohn, der Ururur…enkel unseres Schneewittchens“, stellt der siebente fest und das Ross wiehert leise.

Sie geben dem Königssohn zu Essen und zu Trinken. Schnell kommt er zu Kräften. Lange, endlos lange beraten sie. Der Königssohn hört nur ein Murmeln und Wispern.

„Er ist schuldig! Sein Urahn hat unser Schneewittchen entführt!“

„Schneewittchen wurde gerettet, nicht entführt!“

„Quatsch, entführt und missbraucht!“, empört sich der Dritte.

„Wir sollten ihn schuldig sprechen.“

„Wofür?“

„Na dafür!“

„Nein, dafür“

„Oder dafür?“

„Lasst uns abstimmen. Wer ist für ‚schuldig‘?“, fragt der Chefzwerg und sieben Hände gehen in die Höhe.

„Der schummelt!“, empört sich einer der Sieben, „Der hat beide Hände gehoben.“

„Sicher ist sicher“, verteidigt sich der Missetäter.

„Noch einmal: Wer ist für ‚schuldig‘?“. Jetzt recken sich sechs Hände nach oben.

„Und wer ist dagegen?“ Genau einer hebt die Hand.

„Also schuldig.“

„Und nun? Was machen wir mit ihm?“ Sie überlegen lange, denn sie können den Königssohn ja nicht einsperren. Verdursten und verhungern lassen geht sowieso nicht. Und er ist ein Königssohn! Das gäbe schlimme diplomatische Verwicklungen im Märchenland. Endlich beschließen sie, ihn zurück zu seinem Schloss vor den sieben Bergen zu bringen.

Gesagt, getan. Auf dem vierten Berg legen sie eine Pause ein, schauen zurück zu ihrem Haus in dem dunklen Wald hinter den drei Bergen und voraus über die drei hohen Berge hinter denen das Reich des Königssohns liegt.

Endlich. Nach sieben Tagen, nach siebenmal bergauf und siebenmal bergab erreicht die Kolonne das Königsschloss. Die Braut des Königssohns ist glücklich, hat sie ihren verlorengeglaubten Bräutigam wieder.

„Ich danke euch!“, sagt der Königssohn bei dem großen Fest, das zu Ehren der sieben kleinen Gäste und Retter gegeben wird. Am späten Abend erzählt er den Zwergen von den sieben traurigen Elfen, im Wald hinter dem Schloss bei den sieben mächtigen Tannen. Diese Elfen sind seit Jahrhunderten einsam, vermissen ihre Elf Männer, die zur Jagd in den Wald zogen und nie rückkehrten. Die Zwerge eilen dorthin und schon am nächsten Tag beginnt ein zweites großes Fest, eines das genau sieben Tage dauert. Dann ziehen sie, die sieben Zwerge und die sieben Elfen in den Wald, über die sieben Berge zum Haus der sieben Zwerge. Und jedes Jahr zur Sommersonnenwende kommen der Königssohn und seine Frau in den Märchenwald, um die sieben Zwerge und sieben Elfen zu besuchen und gemeinsam ein großes Fest zu feiern.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Da rennt eine Maus und die Geschichte ist aus!


Dieser Text entstand am 29. Juni 2019 bei einem Schreibworkshop mit Anke Engelmann im Haus Dacheröden zu Erfurt.

Die Aufgabe lautete: Schreibt einen Text über das Nichts, die Null. So richtig erfüllt habe ich die Aufgabe nicht. Na gut, der Königssohn hat nichts, also null Zwerge gefunden. Dafür haben sie ihn dann gerettet.

Ei, ei, ei, ihr Hühnerchen

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Vorwerk-Hühner

Vorwerk-Hühner

Ei, ei, ei, ihr Hühnerchen,
was habt ihr denn getan,
was habt ihr denn getan?
Fort seit einer Stunde schon ist euer lieber Hahn.
Fort seit einer Stunde schon ist euer lieber Hahn.

Hähnchen ist aufs Dach geflogen
ins Bodenloch hinein,
ins Bodenloch hinein.
Da schlug der Wind die Türe zu, es muss gefangen sein.
Da schlug der Wind die Türe zu, es muss gefangen sein.

Doch nach einer Stunde schon,
ging wieder auf die Tür,
ging wieder auf die Tür.
„Tuck, tuck, tuck, ihr Hühnerchen, nun bin ich wieder hier!
Tuck, tuck, tuck, ihr Hühnerchen, nun bin ich wieder hier!

Wie freuten sich die Hühnerchen,
als sie ihn wiedersahn,
als sie ihn wiedersahn,
wie hüpften sie und sprangen sie um ihren lieben Hahn,
wie hüpften sie und sprangen sie um ihren lieben Hahn!


Dieses volkstümliche Kinderlied wird zur Melodie von „Fuchs du hast die Gans gestohlen“ gesungen. Es ist für Kinder von etwa 3 bis mindestens 103 Jahren geeignet. Der ursprüngliche Text stammt von Ernst Anschütz (1780–1861, siehe wikipedia.org) und wurde vielfach modifiziert.

Die abgebildeten Hühner gehören zur alten Rasse „Vorwerk“ und wurden im Quedlinburg im Garten des „Café Pfannkuchen“ (sehr empfehlenswerte Küche!) fotografiert.

Pfingstmalen auf Burg Fürsteneck

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Burg Fürsteneck

Burg Fürsteneck

Es ist Tradition: Das Pfingstmalen auf Burg Fürsteneck in der hessischen Rhön. Zwölf Hobbymaler und ein Profi, Siegfried Rinke aus Kassel, treffen sich über die Pfingstfeiertage auf dieser wundervollen Burg zum Malen. Jeder darf das Malen, was ihm gefällt. Motiv, Technik, Format: Das bleibt jedem überlassen. Und gerade diese Vielfalt ist das Schöne an dem Pfingstworkshop.
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