Frische Brötchen

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Wenn es so weitergeht, drehe ich durch. Erst kratze ich Schnee und Eis von der Frontscheibe, verrenke mir die Arme. Verdammte Kälte. Handschuhe und Mütze liegen in der Wohnung. Ein Mann jammert nicht, ist ein Held, egal wie kalt es ist. Die Finger sind steifgefroren wie Eiszapfen. weiterlesen …

Das alte Haus

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Es war ein Schnäppchen, dieses alte Haus, die kleine Villa mit der Mansarde, dem großen Garten und verschnörkelten Metallzaun drumherum, an dem ein verrosteter Briefkasten mit Rödeldraht angebunden ist. Der Makler versicherte, das Dach wäre in Ordnung, die Wände benötigen vielleicht einen frischen Anstrich, Fenster und Türen ebenso, ansonsten könne man sofort einziehen. Vom Vorbesitzer, einem etwas verschrobenen, alten Kauz, vor einem halben Jahr verstorben, stehen noch etliche Möbel drin, dem Anschein nach brauchbar, womöglich gibt es auf dem Flohmarkt ein paar Euro dafür, falls man die Möbelstücke nicht mag. weiterlesen …

Mordsmäßig mordslustig

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„Bring ihn um, hack ihn in Stücke, in fünf Teile und jedes vergräbst du auf einem anderen Kontinent.“ Judith ist sauer, stinksauer.

Wenn sie so aufgebracht ist, kocht sie einen Pudding, einen Vanillepudding, doppelte Portion, der muss bis morgen reichen. Klappt nicht, das weiß Judith. Hätte drei Päckchen Puddingpulver nehmen müssen, anderthalb Liter Milch, dafür ist der Pott zu klein.

„Beruhige dich, der Pudding braucht noch einen Moment, abkühlen muss er auch. Wenigstens kannst du den Topf ausschlabbern. Und den Rührbesen.“

Jetzt wissen es alle, sie hat mit Jonas geknutscht. Das ganze Büro und erst recht die Knesebrüll-Schmidt, der Drachen in Wolfgangs Vorzimmer. Die triumphiert. Darauf wartet die seit Jahren, gierig. Wölfi weiß es auch, logisch. „Der kennt jetzt Dinge, die weißt nicht einmal du selbst. Die olle Schnepfe, die ist neidisch, die bringst du gleich mit um, ganz langsam, die soll leiden, tagelang, sich ewig daran erinnern, in der Hölle, wenn sie brutzelt wie 1.000 Fischstäbchen.“ Wieso hält sich der Chef diese Tussi im Vorzimmer, lässt sich von der anhimmeln?

Judith grübelt. „Kann so einer wie Jonas dein Typ sein? Jonas, der rennt jeder hinterher, nimmt, was er kriegt, selbst so eine Wachtel wie dich! Andererseits, wer hat ihn schon mal gesehen mit ‘ner Anderen? Der ist schüchtern, das sagen die bloß, weil sie auch mal …“ Jonas hat nix verraten, das steht fest. Oder doch? Weshalb sollte er? „Hat der noch ‘ne andere, zwei gleichzeitig? Oder drei? Scheiße! Den bringst du auch um. Oder nicht.“

Es ist Verzweiflung, die wächst mit jedem Gedanken, den sie denkt. Sie denkt viel. Alle meinten, „Ach die Kleine, die Judith, die sollte sich mal einen Mann suchen und nun …“ Natürlich, die Knesebrüll-Schmidt hätte so etwas nie gesagt. Die ist eifersüchtig und gefährlich, das weiß Judith seit ihrem ersten Arbeitstag, als die nach dem Gespräch mit Wolfgang meinte, sie solle lieber eine Bluse anziehen, die oben geschlossen ist. Hier wäre doch keine Piep-Show. „Piep-Show, die spinnt, aber nicht mehr lange.“ Judith ist entschlossen, entschlossen das Richtige zu tun. Es ist unvermeidlich, eine Mission, ein Auftrag von oben, ein perfider Plan. Die Knesebrüll-Schmidt wird beseitigt, gründlich, rigoros, endgültig. „Kein Atom lässt du von der übrig, halbe Sachen kennst du nicht!“ Judith atmet tief durch. Das will gut geplant sein.

„Überleg in Ruhe. Du willst zwei Leute umbringen. Die Knesebrüll-Schmidt auf jeden Fall und … Ja wen, wer hat gepetzt? Wenn es Jonas war? Den kannst du doch nicht, der ist so ein Süßer, um den wäre es schade. Selbst wenn der … Doch, der hat es verdient. Den murkst du ab! Kein Widerspruch!“ Judith hat entschieden, sie weiß nicht, wie sie es anstellen wird.

„Morgen musst du wieder ins Büro. Scheiße, lass dich krankschreiben, Magen-Darm geht immer oder Depression oder Burnout. Ja, Burnout. Bei so einer wie der Knesebrüll-Schmidt kannst du das begründen. Und dann bringst du die um. Wenn du erwischt wirst, bekommst du mildernde Umstände, landest in der Geschlossenen. Oder du plädierst auf Notwehr, ja, das ist Notwehr. Dich kriegen die sowieso nicht, Fehler wie den Ganoven im Tatort unterlaufen dir nicht, garantiert nicht. Bist ja nicht doof!“ Sie rennt ins Wohnzimmer und blättert die Fernsehzeitung durch. Die heutigen Tatorte kennt sie. Kurz nach Mitternacht kommt noch was, garantiert mit Anregungen für sie: Axt, Damenstrumpfhose, Strom … egal, Hauptsache es funktioniert.

Judith springt auf. Das kam nicht aus dem Kopf, das war ein Reflex. Es piept, höllisch laut, unüberhörbar, erst in der Küche, dann in Flur und Wohnzimmer. Die Rauchmelder funktionieren also. In Gedanken wählt sie den Notruf. Gleich braucht sie Feuerwehr und Rettungsdienst, zum Löschen und zu ihrer Wiederbelebung, Rauchvergiftung. Sie rennt in die Küche. Eine Katastrophe, schlimmer als ein Tatort, wenn die Tatortreiniger anrücken.

„Mist! Die Milch ist übergekocht, angebrannt riecht es. Nur wegen der Knesebrüll-Schmidt. Egal, die erledigst du in Kürze.“ Judith rennt durch die Wohnung, sucht Aufwischlappen, Wassereimer. Greift nach dem Schrubber, um mit dem Stiel die Rauchmelder auszuschalten. Sie spurtet zurück in die Küche, reißt den Topf von der Kochstelle. Die Milch klebt überall am Herd. Da hilft nur, Sicherung raus, damit dieser verdammte Herd aufhört zu heizen. Die Milch auf dem Ceranfeld ändert ihre Farbe von Dunkelbraun zu Schwarz. Die Luft in der Küche, in der ganzen Wohnung ebenso. Der schöne Vanillepudding! Judith reißt die Fenster auf.

Drei Stunden lang ist Judith beschäftigt. Das tut gut. An Jonas, Wölfi und erst recht die Knesebrüll-Schmidt verliert sie keinen Gedanken. Schließlich sackt sie erschöpft in den Sessel. Sofort ändert sich alles.

„Wie machst du das, jemanden umbringen? Erschießen fällt aus, ohne Pistole funktioniert das nicht und es geht zu schnell, wenigstens bei der Knesebrüll-Schmidt. Messer ist besser. Du stichst zu, neben das Herz, volle Kraft, aber knapp daneben, ganz knapp. Dann liegt die am Boden, röchelt, jammert, winselt, drei Tage lang, oder vier. Gummihandschuhe nicht vergessen, wegen der Fingerabdrücke. Nee, Messer geht nicht, gibt eine Sauerei. Du kannst kein Blut sehen, Judith. Mist.“ Sie grübelt, beschließt, alle Tatorte des Abends anzuschauen. „Es muss doch eine einfache Möglichkeit geben, die Alte zu killen! Gift! Ja Gift ist die Lösung.“ Stundenlang sitzt Judith am Laptop und googelt. Wie kompliziert das ist.

Erst einmal checkt Judith ihre Mails. Der erste Tatort muss warten, ist sowieso gleich zu Ende, es gibt eine Mediathek. Jonas hat geschrieben, schon am Nachmittag, da war die Milch noch nicht übergekocht. Er fragt, ob sie am Wochenende zusammen Essen gehen. „Mit Jonas, allein. Und der küsst so gut. Hinterher … Ob der sich traut? Ha, das erwähnst du morgen, beiläufig, wenn die Knesebrüll-Schmidt in den Frühstücksraum kommt, wirklich so ganz nebenbei. ‚Du bist mit Jonas zum Essen verabredet.‘ Dann platzt die. Du musst sie nicht umbringen.“


Dieser Text entstand zu einer Online-Lesung mit Martina Rellin.

Autor Rainer Franke on Air

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Am letzten Mittwoch (20. Januar) war ich in der Sendung von Richard Schäfer auf Radio F.R.E.I. zu Gast, coronabedingt nur offline am Telefon.

Das gab es zu hören:

  • Deutschsprachige Musik: Ich hatte Richard eine Liste meiner Lieblingstitel geschickt. Folgende deutschsprachige Sängerinnen und Sänger hat Richard aus dieser Liste ausgewählt: Reinhold Beckmann, Stefan Gwildis, Sternentramper, Johannes Strate, Ina Müller, Felix Meyer und Anna Depenbusch.
  • Ein Telefoninterview mit mir.
  • Drei meiner Texte, die ich zu Hause mit meiner bescheidenen Technik aufgenommen habe.
    „Planet ungeeignet“
    „Schuhbidu – Ein Männergespräch
    „Die Übergabe“

Die gute Nachricht ist: Die Sendung wird noch einmal wiederholt!

Mittwoch, 27. Jan. 2020 um 14 Uhr
Radio F.R.E.I. auf UKW 96,2 MHz und
im Internet.

Wer keine Zeit hatte, die Sendung zu hören, den kann ich auf den Podcast von Richard Schäfer verweisen. Dort sind die Textbeiträge (Interview und Kurzgeschichten) jederzeit zu hören: Link.

Viel Spaß beim Zuhören!

Auf Sendung (Mittwoch)

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Am kommenden Mittwoch, den 20. Januar, bin ich in der Sendung von Richard Schäfer auf Radio F.R.E.I. (www.radio-frei.de) zu Gast, coronabedingt nur offline am Telefon.

Was wird es zu hören geben:

  • Deutschsprachige Musik: Ich hatte Richard eine Liste meiner Lieblingstitel geschickt und bin nun gespannt, welche er ausgewählt hat.
  • Ein Telefoninterview mit mir:
  • Mehrere meiner Texte, die ich zu Hause mit meiner bescheidenen Technik aufgenommen habe. Hoffentlich klingt meine Stimme im Radio halbwegs vernünftig.

Hört rein:

Mittwoch, 20. Jan. 2020 um 14 Uhr
Radio F.R.E.I. auf UKW 96,2 MHz und
im Internet (http://streaming.fueralle.org/Radio-F.R.E.I).

Viel Spaß beim Zuhören!